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Zimmers Welt

Jana, Jörg, Ira & Rona

3月9日

Kambodscha-Reise 2008

Hallo, Ihr Lieben,

das wird wohl unser letzter Reisebericht aus Asien, bevor es uns dann Anfang Juli (für immer???) nach Deutschland zurück zieht. Dieses Mal haben wir uns einen langen Traum erfüllt – eine Reise nach Kambodscha.

In Mails und Gesprächen hatten wir vor der Reise immer wieder die selben Reaktionen bekommen: Was wollt ihr denn da? Wieso fahrt ihr dahin? Kambodscha hat nicht das beste Image: Landminen, Armut und Dreck, Rote Khmer. Die Landminen sind zu einem großen, leider noch immer nicht ausreichenden Teil geräumt, die Roten Khmer spielen keine offensichtliche Rolle mehr, Dreck gibt es nicht mehr als in China auch, die Armut ist aber weiterhin ein großes Problem. Auf der anderen Seite gibt es viele unheimlich schöne Dinge dort: Die meisten Menschen, denen wir begegnet sind, sind offen, neugierig und geradezu unheimlich freundlich, der Lebensstil ist (besonders im direkten Vergleich zu Shanghai) entspannt und ruhig, die Natur ist sogar in der Trockenzeit prächtig – und die Tempelkomplexe von Angkor sind eigentlich unbeschreiblich. So – und bevor Ihr jetzt alle anfang zu lesen, kommt erst noch ein Hinweis auf unsere Fotos. Ihr findet sie hier. Aber genug der Vorbemerkungen, jetzt geht’s los:

 

Am 25. Januar sind wir abends zusammen mit Katrin (eine Freundin, mit der wir schon im letzten Sommer unterwegs waren) in Shanghai losgeflogen, um dann halb 12 mitten in der Nacht in einem Wolkenbruch zu landen. Das war das einzige Mal, dass wir während des Urlaubs Regen gesehen haben. Zum Glück hatten wir bei der Hotelbuchung auch den Transport vom Flughafen zum Hotel mitbestellt. So kamen wir trocken an – und staunten am nächsten Morgen nicht schlecht, als auf den Straßen vom knietiefen Wasser nichts mehr zu sehen war.

Phnom Penh empfing uns mit herrlichem Sommerwetter: nicht zu heiß und sonnig. Wir stellten fest, dass unser Hotel im schönsten Teil der Stadt lag, in einer gesunden Mischung aus alten Kolonialgebäuden und moderner Architektur, mit vielen Hotels, Bars und Restaurants, aber ebenso jeder Menge ursprünglichem Leben. Überall gab es Straßenstände, Läden und Menschen – aber alles viel entspannter und ruhiger als in Shanghai. Kein Hupen, Schimpfen, Geschrei, sondern einfach nur wuseliges Leben. Wir fühlten uns sofort wohl und ließen uns durch die Straßen treiben... Zufällig kamen wir zum Nationalmuseum, und weil wir schon mal da waren, holten wir uns gleich die erste Prise Kultur, bestaunten die Statuen und Reliefs. Am Nachmittag fuhren wir noch eine Stunde mit dem Boot auf den Flüssen Tonle Sap und Mekong spazieren, und das war’s dann für den ersten Tag.

Am nächsten Tag waren wir dann mit einem Tuk-Tuk (das sind hier Mopeds, die einen Anhänger für bis zu 4 Leute oder für bergeweise Sachen ziehen) unterwegs zum wohl gruseligsten Kapitel in der Geschichte des Landes (oder ganz Asiens?) – zum Gefängnis S-21 (Tuol Sleng) und zu den Killing Fields. (Kurzer Ausflug in die Geschichte: Die Roten Khmer kamen am 17. April 1975 nach langem Bürgerkrieg mit dem Fall Phnom Penhs an die Macht und wurden am 7. Januar 1979 von Vietnam besiegt. [Bis 1999 waren einige Gebiete an den Grenzen zu Thailand weiterhin in der Hand der Roten Khmer.] In dieser kurzen Zeit erreichten sie u.a. folgendes: Mord an einem Viertel der Bevölkerung [ca. 2 Mio. Menschen] durch Tötung, Unterernährung, Schwerstarbeit, Versklavung aller Personen, Zerstörung von Familienstrukturen, fast völlige Zerstörung jeglicher Infrastruktur, bewusste Verdummung der Bevölkerung. Das Ziel war die Schaffung des „reinen Menschen“, also von Menschen, die ohne „westliche“ Technik allein durch bäuerliche Handarbeit eine klassenlose Gesellschaft schaffen.) Das Gefängnis S-21 war – neben ca. 200 anderen – das für „Verräter“ innerhalb der „demokratischen“ neuen Gesellschaft: Hier wurden kommunistische Mitkämpfer, Parteimitglieder, Armeemitglieder usw. untergebracht und, nachdem sie „Geständnisse“ abgegeben hatten, zu den Killing Fields gefahren und dort erschossen, erwürgt, erschlagen, lebendig begraben... Von ca. 12.000 Gefangenen haben 12 überlebt. Die anderen, „äußeren“ Feinde, also Intellektuelle, Mitglieder der alten Regierung, Leute mit Fremdsprachenkenntnissen, Brillenträger usw. wurden meist ohne vorherigen Gefängnisaufenthalt getötet. Wir haben uns diese beiden Museen angesehen und waren danach wirklich fertig.

Am nächsten Tag haben wir uns wieder den schöneren Dingen zugewandt: Wir besuchten den Königspalast und die Silberpagode, bummelten über Märkte, probierten lustige Dinge an Essensständen – also das, was Touristen normalerweise so tun...

 

Am 29. Januar fuhren wir mit dem Bus (5 ½ Stunden) nach Siem Reap im Nordosten. Das ist die Stadt, in die alle Touristen fahren, denn von hier aus geht es zu den Tempeln von Angkor. Am Busbahnhof ließen wir uns von zwei Tuk-Tuk-Fahrern aufgabeln, die uns zu einem netten Guesthouse brachten und auch die nächsten Tage unsere Fahrer zu den Tempeln sein sollten. Das war gut, denn so waren wir unabhängig und konnten den Touristenhorden immer wieder entfliehen. So hatten wir manche Tempel ganz für uns allein.

Angkor war vom 9. bis zum 15. Jahrhundert Hauptstadt des Khmer-Reiches. Im Laufe der Zeit ließen alle Könige dort Paläste, vor allem aber gewaltige Tempel errichten, die entweder den diversen hinduistischen Göttern oder Buddha gewidmet waren. Wir besuchten in der folgenden Reihenfolge diese Tempel:

1. Tag:    Der größte Tempelkomplex Angkor Wat mit wunderschönen Apsara (Tänzerinnen)-Reliefs ist heute das Wahrzeichen Kambodschas. Dieser Tempel stand schon ganz lange ganz oben auf unserer „Müssen-wir-sehen-Liste“. Deshalb sind wir als erstes dahin gefahren, waren allerdings danach ein wenig enttäuscht: groß und schön, aber irgendwie sehr weitläufig und nicht von so einer gewaltigen Wucht, wie wir erwartet haben. Der Tempel Ta Prom wirkt dagegen, als wolle ihn der Urwald mit Gewalt zurückerobern, er ist von riesigen Bäumen überwuchert, zerfallen und gerade deshalb wunderschön. Trotz des Zerfalls sind noch sehr schöne Reliefs erhalten. Die Kinder konnten toll über Steine klettern.

2. Tag:    Der Bayon im Zentrum des alten Angkor ist einer der bekanntesten Tempel, es ist der mit den riesigen Steingesichtern und hier war sie, die faszinierende Wucht, die wir eigentlich in Angkor Wat erwartet hatten. Nach einigen weiteren Tempeln, die uns aber nicht so extrem beeindruckten (Baphuon, Königspalast mit dem kleinen Tempel Phimeanakas, Palilay und Tep Pranam) ging es zurück zur Terrasse des Leprakönigs – eine prächtige, mit zahlreichen Reliefs verzierte Anlage, auf der früher die verstorbenen Mitglieder des Königshauses verbrannt wurden. Gleich daneben befindet sich die Elefantenterrasse, eine mit zahlreichen Elefanten und anderen Tieren verzierte ... tja, äh – Terrasse. Zum Schluss dieses langen Tages kletterten wir noch auf den Tempelberg Phnom Bakheng, der einen der ältesten Tempel trägt und von wo wir einen tollen Rundum-Blick über die umliegenden Tempel und Wälder genossen.

3. Tag:    Ein Ruhetag am einzig noch vorhandenen Wasserreservoir, dem Westlichen Barray, das auch heute noch als Wasserspeicher genutzt wird und in dem man auch baden kann. Danach hatten die Kinder einen sehr dekorativen Sonnenbrand.

4. Tag:    Wir machten eine Tour zu den nordöstlichen Tempeln, beginnend mit Preah Khan, einem großen, wunderbar fotogen eingestürzten Königstempel, in dem wir uns komplett aus den Augen verloren und uns erst wieder suchen mussten, bevor wir kurz bei Ta Som und Banteay Samre stoppten, um die Besichtigung mit Pre Rup zu beenden. Dieser künstliche Tempelberg hat Ira besonders gefallen, weil sie in der übersichtlichen Anlage alleine herumklettern konnte.

5. Tag:    Unser letzter Tempeltag brachte einen tollen Höhepunkt: Banteay Srei. Über ewige Staubstraßen fuhren wir mit unseren Tuk-Tuks dahin, um diesen kleinen, aber hervorragend restaurierten Tempel zu besichtigen. Und es hat sich gelohnt: Unheimlich detailgetreue Reliefs mit Darstellungen der Mythologie, der Götter, der Könige... Wir waren sprachlos. Hier hatten wir einen ziemlich genauen Eindruck, wie das früher wirklich einmal alles ausgesehen haben muss. Unglaublich! Danach gab es als Kontrast noch Kbal Sbeam. Nach einer halbstündigen Wanderung durch den Regenwald erreichten wir einen der Quellflüsse des Siem Reap. Dort hatten Einsiedler vor ca. 1000 Jahren Götterbilder und Symbole in die Felsen des Flusses geschlagen – irgendwie surreal und faszinierend und schön.

 

Danach waren wir echt „tempelmüde“ und beschlossen, dass es nun reicht. Deshalb fuhren wir nach Phnom Penh zurück, aber nur für eine Nacht. Als Zwischenstation wählten wir ein Guesthouse am innerstädtischen See Boeng Kak. Dort gibt es jede Menge Unterkünfte, aber das Ganze war schon dermaßen auf Touristen-Abzocke ausgelegt, dass wir uns eigentlich nach unserem Hotel im Stadtzentrum zurücksehnten. Und jeder Zweite wollte Hasch oder Koks oder sonst welche Lustigmacher verkaufen... Doch für eine Nacht war es ok, denn schon am nächsten Tag, inzwischen der 5. Februar, sollte es weiter gehen ans Meer.

 

Der Bus sollte uns nach Kampot bringen, von da wollten wir weiter nach Kep, einem früheren Strandbad, das durch den Bürgerkrieg und den anschließenden Krieg mit Vietnam zerstört wurde, nun aber langsam wieder aufgebaut wird. Doch zu unserer Überraschung fuhr der Bus durch Kep, so dass wir flugs raussprangen und uns freuten, dass wir schon da waren. Der Ort selbst bietet gar nix, besteht im Prinzip aus einer langen Uferstraße, die zwischen Bergen und dem Golf von Thailand eingeklemmt ist. Später, als wir eine Tour mit einem Tuk-Tuk unternahmen, haben wir unheimlich viele Ruinen gesehen; der Ort war mal richtig groß. So ganz langsam war aber ein Wiederaufbau zu spüren. Am ersten Tag hier machten wir mal: nichts. Ein bisschen Spazieren gehen, Fisch essen am Meer, am Wasser sitzen (einen richtigen Strand gab es leider nicht), Ira, Rona & Katrin waren mal baden... Urlaub eben. (Interessantes Erlebnis am Rande: Wir saßen lesend am Wasser, plötzlich wurde es laut – eine chinesische Reisegruppe kam, guckte, und fragte uns radebrechend auf Englisch nach einer Adresse. Wir wussten diese natürlich auch nicht, ein Kambodschaner kam, half ihnen und sie gingen. Grinsend sagte der Kambodschaner zu uns: „Chinese. Too much speak.“ Wir grinsten zurück...)

Am 7. Februar fuhren wir am Morgen mit einem Boot zur Kanincheninsel (Koh Tonsay). Wunderschön: eine Bucht mit Sand, Palmen, ein paar Restaurants, Kühen, Hunden, Schweinen, Hühnern, einer Katze und ein paar einfachen Bambus-Häuschen. Nachdem wir den ganzen Tag dort verbracht haben, war uns klar, dass wir hierher zurück kommen wollten. Also haben wir gefragt, ob man die Häuschen mieten könne. Ja, kein Problem, nur 5 US$ pro Nacht (Neben der einheimischen Währung Riel ist auch der US-Dollar offizielles Zahlungsmittel in Kambodscha.). Also haben wir der netten Besitzerin gesagt, dass wir übermorgen wiederkämen.

Denn für den nächsten Tag hatten wir schon eine Tour durch die Gegend geplant. Mit einem Tuk-Tuk ging es zu einer Pfeffer-Plantage. Der Pfeffer dort soll zu den besten der Welt gehören, sagen jedenfalls die Leute dort. Also haben wir welchen gekauft, und er ist – frisch gemahlen – wirklich sehr gut. Außerdem fuhren wir zu Salz-Feldern, wo Salz aus Meerwasser gewonnen wird. Den Abschluss bildete eine der vielen Tempelhöhlen in der Umgebung der Kleinstadt Kampong Trach, wo Kinder eifrig herumwuselten, allen Ankommenden die (wenigen) Besonderheiten zeigten und erklärten und dafür ein kleines Trinkgeld erwarteten. Das Schönste an diesem Ausflug aber war die Fahrt über das Land, die Natur, die Dörfer, die Menschen, die unterwegs zu sehen waren.

Dann ging es wieder auf die Insel Koh Tonsay. Wir hatten mir unserem Tuk-Tuk-Fahrer abgemacht, dass er uns in drei Tagen wieder am Bootssteg abholt und uns dann nach Kampot fährt. (Zum Glück hatte Jana sich seine Handy-Nummer geben lassen; so konnten wir ihn mit dem Handy unserer Häuschen-Vermieterin anrufen und unseren Insel-Aufenthalt um zwei Tage verlängern.) Es war einfach herrlich. Außer einigen Touristen, die als Tagesausflügler die Insel besuchten, wohnten außer uns noch schätzungsweise 50 andere Leute da. Ansonsten nur die schon erwähnten Tiere und: nichts. Keine Autos, keine Motorräder, kein Fernsehen, kein Radio, keine Touristenbespaßung – außer von 18 bis 21 Uhr gab es nicht einmal Strom. Und das hieß Erholung pur. Zeitig ins Bett, recht früh wieder raus, baden, lesen, essen, quatschen... Das Tollste war die Zeit nach 21 Uhr: Wann hat man schon mal die Chance, absolute Dunkelheit zu erleben? Nicht ein einziges Licht auf der Insel, dafür aber ein heller Mond und SterneSterneSterne! Wunderschön! Wir haben sogar die Kinder geweckt, damit sie das mal erleben konnten.

Am 14. Februar stand unser Tuk-Tuk-Fahrer wie verabredet am Pier in Kep und fuhr uns nach Kampot. Die kleine Stadt war unser Ziel, weil sie mit vielen Kolonialgebäuden sehr schön sein sollte und man außerdem von da aus Ausflüge in den Bokor-Nationalpark machten kann. Stimmte – zu 50 Prozent: Die Stadt ist sehr schön und ruhig und hatte eine Art morbiden Verfalls-Charme. Leider aber wurde die einzige Straße zum Nationalpark gerade gebaut (und das soll noch viele Monate dauern). Die Reisebüros in Kampot versprachen zwar, dass man zu vervierfachten Preisen trotzdem dahin fahren könne, aber dafür fast nichts zu sehen bekäme... Wir blieben aber trotzdem hier, denn die ruhige Atmosphäre, die Cafés, die kleinen Läden waren einfach schön.

An einem Tag machten wir einen Ausflug auf dem Fluss Teuk Chhou: Es sollte durch Mangroven gehen, zu einer Hängebrücke, mit Möglichkeiten zum Baden... Doch irgendwie war der Bootsfahrer vom Reisebüro nicht richtig informiert worden, er fuhr uns einfach nur zu einem anderen Guesthouse am Fluss. Wir waren enttäuscht, aber da Jana eine Ohrenentzündung hatte, genossen wir andererseits die Ruhe (und forderten am nächsten Tag vom Reisebüro eine Entschädigung, die wir sogar bekamen). Später wurden wir dort von einem Tuk-Tuk abgeholt und fuhren zu einem 1000 Jahre alten Höhlentempel. Sehr schön. Und der freundliche Fahrer machte die frühere Enttäuschung mehr als wett: Er lud uns zum Haus seiner Familie ein, dort holte ein Nachbarjunge frische Kokosnüsse von einer Palme, so dass wir viel zu Trinken und zu Essen hatten. Und er erzählte uns viel über das Leben auf dem Land, die Vergangenheit (Überfälle der Roten Khmer, als er ein Kind war usw.) und seine Träume (ein Studium in Phnom Penh, aber das sei zu teuer [400 US$ pro Jahr], so dass er jetzt erst einmal arbeite). Es wurde doch noch ein sehr schöner und interessanter Tag.

Am 18. Februar fuhren wir dann nach Phnom Penh zurück. Dieses Mal fanden wir die Stadt plötzlich sehr laut. Komisch, wie sich die Wahrnehmung ändert – an der Stadt selbst hatte sich nichts geändert. Wir fanden wieder Zimmer in unserem ersten Hotel, genossen den Trubel, ließen uns durch die Straßen treiben, gingen auf die verschiedenen Märkte zum Shoppen und Gucken. Ein ruhiger Ausklang, bevor wir am Abend des 20. Februar – ein letztes Mal mit einem Tuk-Tuk – zum Flughafen fuhren, die Nacht durchflogen und am nächsten Tag morgens um halb 6 wieder die Tür unserer Wohnung in Shanghai aufschlossen.

 Es war ein sehr schöner Urlaub mit großen Gegensätzen: die grandiosen Tempel des alten Khmer-Reiches, die unvorstellbaren Grausamkeiten der Roten Khmer, die überall zu sehende Armut, die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen – wir werden garantiert noch sehr lange an diese Reise denken.

9月5日

Große Chinareise 2007

Liebe Leute,

 

wir haben im Moment große Probleme, Fotos in unseren Space hochzuladen. Falls jemand von Euch einen guten, von China aus zu bedienenden Fotoblog kennt, in den man schnell und gleichzeitig ca. 250 Fotos stellen kann, sind wir über diesen Hinweis sehr dankbar!

So, das nur mal als Vorbemerkung. Aber dafür gibt es nun endlich unseren Reisebericht:

 

Von Amdo nach Amoy

Unsere China-Reise war lange geplant – wir haben ewig überlegt, wohin wir eigentlich fahren wollten. Am Ende kam etwas ganz anderes raus, und eigentlich bestand unsere Reise sogar aus zwei Reisen. Eine Besonderheit war auch, dass wir diese erste Reise nicht alleine unternommen haben, sondern mehr oder weniger als Gruppe: Die meiste Zeit war Katrin, eine Freundin und Kollegin aus Shanghai dabei, unterwegs stießen noch Sandra (ebenfalls aus Shanghai) samt Steffi & Jochen (ihr Besuch aus Deutschland) und Xiao Xiong (eine chinesische Freundin aus Shanghai) dazu, so dass wir teilweise zu neunt unterwegs waren.

 

Der erste Teil unseres Urlaubs führte uns in den Nordwesten des Landes. Erste Station war Xi’an, das frühere Changan und damit Startpunkt der legendären Seidenstraße. Ein Ort, den man wohl gesehen haben muss. Jana und ich waren vor vielen Jahren auch schon einmal dort gewesen, und wir hatten gute Erinnerungen daran. Also ging es am 27.7. am Abend mit dem Nachtzug los, am nächsten Tag waren wir mit etwas Verspätung da. Die Stadt empfing uns mit Nieselregen, aber die Jugendherberge war toll: ein alter chinesischer Hof.

Wir gingen sofort auf Tour: Xi’an ist komplett mit einer gut restaurierten Stadtmauer umgeben, dahin ging es zuerst. Wir wollten nur ein paar Schritte tun, doch seltsamerweise war es nur schwer möglich, die Mauer zu verlassen – die meisten Ausgänge waren zugeschlossen, und zurücklaufen wollten wir nicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Stadt mehrere Kilometer weit zu umrunden. Das war dann doch anstrengender als gedacht; zumal sich die Umgebung als sehr hässlich erwies: graue, unverputzte Beton-Wohnblöcke, dicht an dicht, kein Grün, keine alten Häuser... Leicht enttäuscht gingen wir zur Jugendherberge zurück. Am Abend trafen wir dann (wie jeden folgenden Tag) Christopher, einen Kollegen aus Beijing, der auch gerade in Xi’an unterwegs war, auf diverse Biere. J

Die nächsten Tage spulten wir das touristische Programm ab: Aber zuerst mussten wir uns Zugtickets besorgen. Das war gar nicht so einfach, und wir bekamen nur Sitzplätze nach Lanzhou. So mussten wir unsere Reisepläne umstellen. Eigentlich wollten wir nach Xining, aber am Ende stellte sich heraus, dass diese Änderung gar nicht so schlecht war.

Xi’an hat ein großes moslemisches Viertel, und das war unser Ziel. Allerdings stellte sich heraus, dass dieses inzwischen heftig renoviert – sprich: reisegruppenfreundlicher – wurde: Es gab nur noch eine Hauptstraße, keine kleinen Gassen mehr. Aber die Große Moschee war immer noch wunderschön: Ein weitläufiges Gelände, dass zwar nicht sehr islamisch, sondern mehr chinesisch aussieht, aber trotzdem ein faszinierender architektonischer Komplex ist. Dort blieben wir einige Stunden und ließen uns treiben. Anschließend gingen wir ins „folk house“, ein teilweise lieblos renoviertes altes Wohngebäude mit schönen alten Möbeln, nahmen an einer Teezeremonie teil und beguckten die verschiedenen Zimmer.

Am nächsten Tag ging es zur größten Sehenswürdigkeit Xi’ans: der Tonarmee. Das muss man wohl gesehen haben, aber so richtig beeindruckend war es nicht. Okay, es sind sehr, sehr viele große Soldaten aus Ton. Aber man hat wenige Chancen, diese aus der Nähe zu sehen. Das meiste sieht man aus recht großer Entfernung, so dass alles recht klein und unbedeutend wirkt. Ira war schon beeindruckt: Sie kennt das Ganze je teilweise schon aus der Schule, und der gezeigte Film zur damaligen Geschichte in einem 360-Grad-Rundkino hat ihr das ganze ziemlich plastisch gemacht.

Neuer Tag, neue Dinge: Die große Wildganspagode wollten wir unbedingt sehen. Schließlich sollen hier jahrhundertealte buddhistische Schriften gelagert sein, die ein pilgernder Mönch aus Indien mitgebracht hat und somit recht stark zur Verbreitung des Buddhismus beigetragen hat (und was dann auch zum bekannten Roman „Die Reise nach Westen“ geführt hat). Der Tempelkomplex wurde gerade renoviert, aber die Pagode ist schön. Wir sind hochgekrabbelt, haben die nicht sehr beeindruckende Aussicht zur Kenntnis genommen, um anschließend mit zitternden Beinen Eis zu essen.

Schöner war dann der sogenannte „Stelenwald“: Um den Konfuzius-Tempel herum sind in einem ruhigen, recht idyllischen Park viele Gebäude mit alten Steinplatten (Stelen) angeordnet; hier kann man konfuzianische, geschichtliche oder auch andere Aufzeichnungen finden (und wenn man altes Chinesisch kann, wohl auch lesen).

Dann ging es am nächsten Tag weiter in den „Tempel der acht Unsterblichen“. Dieser liegt außerhalb der Stadtmauer und gehört deshalb nicht zum Programm der Reisegruppen: sehr ruhig, wenige Menschen, dabei sehr schön gelegen. Vor dem Tempel gab es einen interessanten Antik-Trödelmarkt, auf dem wir einige „sehr alte, originale“ Dinge zu Preisen erstanden, von denen man in Shanghai nur träumen kann. (Es waren so viele, dass wir spontan ein Paket mit allen Dingen nach Shanghai schickten, damit wir den ganzen Krempel nicht mit uns rumschleppen mussten. J)

Den letzten Tag in Xi’an verbrachten wir in Banpo, einer neolithischen Ausgrabungsstätte. Ira und Rona waren von den Gräbern und den darin gezeigten Skeletten beeindruckt, ansonsten lohnte es nicht wirklich. Aber wir hatten noch einen Tag „totzuschlagen“, bevor es dann am Abend mit dem Nachtzug nach Lanzhou ging.

 

Recht gerädert kamen wir dort am nächsten Morgen an, da wir die acht Stunden mehr oder weniger sitzend ohne Schlaf verbracht hatten. Wir erwischten den direkten Bus nach Xiahe – und an Schlaf war weiterhin nicht zu denken: Die Fahrt durch die Berge war so beeindruckend, dass wir Angst hatten, etwas zu verpassen.

Xiahe liegt in der Provinz Gansu, aber das ist nur eine politische Gliederung. Denn eigentlich gehört dieses Gebiet zu Amdo, wie Tibet früher hieß, als es noch viel größer war. (Damit erklärt sich auch ein Teil der Überschrift.) Der Ort liegt auf 2920 Metern Höhe mitten in den Bergen, hat ein riesiges tibetisches Kloster (Labrang) mit hunderten von weinrot gekleideten Mönchen und wird von Massen von tibetischen Pilgern besucht, die scharenweise auf dem Pilgerweg ihre Runden drehen. Ein unheimlich faszinierender Ort (Ich war vor 12 Jahren schon mal da.), der zum Entspannen, Wandern, Leutegucken und Atmosphäreschnuppern einlädt. Wir ließen uns treiben, beguckten das Kloster von außen und teilweise von innen, genossen den Sonnenaufgang auf einem Berg, tranken mit einer tibetischen Familie Tee mit Yak-Butter (Hm... gewöhnungsbedürftig. Sehr.), kauften in den zahlreichen Läden Schmuck und Souvenirs und etliche Thangkas (Nein, das ist nicht Reizwäsche! Das sind buddhistische Rollbilder.). Und machten Fotos, Fotos, Fotos von den unheimlich freundlichen, neugierigen und offenen Mönchen, Pilgern und Einwohnern.

Beeindruckend war der Ausflug ins Sangke-Grasland: Wir fuhren mit einer Art Lastendreirad am Morgen los, froren anfangs ziemlich – aber es hat sich unheimlich gelohnt. Wir waren auf ein recht touristisches Spektakel gefasst, aber unser Fahrer kannte eine tibetische Familie, die etwas abgeschieden in Zelten wohnte. Dort gab es nicht viel, nur Wiesen, Weite, einen immer blauer werdenden Himmel – und Pferde. Auf denen sind wir dann eine Stunde lang durch die Gegend geritten, Ira & Rona mit einem 360-Grad-Rundum-Grinsen im Gesicht, Jana und Katrin etwas besorgt. Es war ein tolles Erlebnis: Natur, Ruhe, Luft, die tibetischen Mitreiter sangen immerzu... einfach herrlich! Danach gab es wieder den schon bekannten Tee und Naturjogurt (dermaßen krachsauer!). Wir wurden auch eingeladen, dort im Zelt zu übernachten, aber da wir alle etwas erkältet waren (Es ist schon eine Umstellung, wenn man aus dem 35-Grad-Shanghai kommt!), mussten wir leider ablehnen.

Am Abend kamen dann auch Xiong und Sandras „Reisegruppe“ an, so dass wir nun insgesamt neun Leute waren. Das war eine ideale Größe für unseren gemeinsamen Ausflug in ein weiteres Grasland, nach Ganjia. Denn so konnten wir den ganzen Bus mieten, mussten keine anderen Touristen mitnehmen und konnten somit den Ablauf des Tages bestimmen. Dieses Grasland unterschied sich stark von Sangke: Hier gab es nur unbefestigte Straßen, dafür aber Berge, Felsen und wenige Orte. Zuerst sollte es nach Tseway Gompa gehen, einen Ort mit Tempel in den Bergen. Aber wir fuhren uns im Schlamm fast fest, so dass wir vorläufig dieses Ziel aufgeben mussten (Am Nachmittag, als der Weg etwas abgetrocknet war, fuhren wir dann doch hin.). Deshalb ging es zuerst nach Trakka Gompa, ein kleines Dorf mit Häusern aus gestampftem Lehm, mit Ziegen, Schafen und Eseln. Das Besondere: Der Ort ist uralt, war früher sogar mal eine Stadt und ist immer noch von einer 2000 Jahre alten Stadtmauer umgeben. Die ist genau so alt wie die Große Mauer! Wir sind auf der Mauer herumgeklettert, haben uns gesonnt, irre viele Fotos gemacht, die Aussicht und die Berge bewundert... Unser Fahrer war ein guter, er stammte aus dem Ort und kannte deshalb die Strecken sehr gut. Deshalb brachte er uns auch weiter in die Berge hinein, zum Tempel Baijiao Karnang. Der war nur klein, mit wenigen Mönchen. Aber dafür lag er direkt vor steilen Felswänden. Also sind wir gewandert, herumgesprungen, haben die Natur und die Ruhe genossen. Ein Traum auf ca. 3000 Meter Höhe. Am Abend waren wir alle ziemlich fertig...

 

Am 9. August, nach sechs Tagen, fuhren wir (Katrin, Xiong und 4Zimmers) weiter nach Tongren, eine kleine Stadt in Qinghai, der Nachbarprovinz. Die Stadt war völlig unbeeindruckend und hässlich. Aber in der Umgebung liegen Klöster, in denen die besten Thangkas Chinas produziert werden. Und das wollten wir sehen. Also machten wir uns früh mit dem Bus auf den Weg und kamen wieder einmal nicht zum Schlafen: Die unheimlich abwechslungsreiche Strecke durch verschiedenste Arten von Bergformationen, entlang an Flüssen und Seen, über teilweise verschüttete Straßen – das war einfach umwerfend!

Nachdem wir ein Hotel gefunden, zu Mittag gegessen und beschlossen hatten, diesen hässlichen Ort am nächsten Tag schon wieder zu verlassen, fuhren wir also zum Wutun Tempel. Am Eingang fing uns gleich ein Mönch ab und fragte, ob wir den Tempel besichtigen wollten. Na, und ob! Er führte uns in verschiedene abgeschlossene Gebäude mit prächtigen Wandmalereien und zeigte uns Bilder, die er selbst angefertigt hatte, um uns anschließend (welch Überraschung!) in sein Atelier zu führen. Wir waren schwer beeindruckt und konnten uns natürlich nicht dazu zwingen, keine Thangkas zu kaufen... Aber sie sind auch wunderschön!

Auf dem Rückweg liefen wir einem anderen Mönch über den Weg, der natürlich auch ein Thangka-Spezialist war und uns in sein Atelier führte. Das lag nicht im Kloster, sondern in einem Bauernhof, und so hatten wir die Gelegenheit, einmal einen traditionellen Hof von innen zu sehen. Von außen sieht man nur braune Lehmwände, aber innen sind diese Höfe unterteilt in verschiedene Bereiche für Menschen, Tiere und Vorräte: sehr sauber, sehr praktisch und teilweise mit sehr aufwändigen Schnitzereien versehen. Sehr interessant.

 

Am nächsten Tag ging es im Regen früh weiter nach Xining, die Hauptstadt Qinghais. Die Fahrt war beeindruckend wie am Tag zuvor, Qinghai selbst überraschend. Der erste Eindruck: Großstadt, breite Straßen, moderne Häuser – also naja. Aber im Laufe der insgesamt vier Tage dort haben wir festgestellt, dass es eine sehr freundliche, entspannte Stadt mit offenen, freundlichen Menschen ist.

Der erste Ausflug hier führte uns ins Kloster Kumbum (chinesisch: Ta’er Si), eines der wichtigsten Klöster der Gelbmützen-Sekte im tibetischen Buddhismus (Wir sind immer noch im Amdo!). Allerdings steht dieses Kloster inzwischen wohl im Tourenplan vieler chinesischer Reisebüros, so dass überall Reiseleiter mit den obligatorischen Megaphonen ihre Tourgruppen durch die an sich schönen Gebäude führten. Von Atmosphäre war nicht mehr viel zu spüren, im Gegenteil, es war schwer, alles zu sehen, da immer Gruppen von Touristen im Weg standen. Der Gegensatz zu Xiahe und Tongren könnte nicht größer sein... Das Ganze machte mehr den Eindruck eines Museums, nicht eines Klosters, obwohl hie und da einige Mönche zu sehen waren.

Am Abend entdeckten wir dann ganz in der Nähe unserer Jugendherberge einen der zahlreichen Xininger Nachtmärkte – und das war toll: Dutzende von Ständen, die alles Mögliche anboten: Schmuck und Krimskrams und Obst und Gewürze und Gemüse und Fische und Fleisch und Nudeln und und und. Dazwischen gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu setzen und zu essen und zu trinken: Man musste nur verschiedene Stände abklappern, sagen, was man wollte, und nach einigen Minuten wurde alles frisch und lecker gebracht. Nur das Bier war ein wenig plebsig, weil es aus einem großen Wasserkessel eingeschenkt wurde. Aber immerhin kalt. J In den nächsten Tagen gingen wir jeden Abend dort essen, besonders Rona war von den Schaf-Schaschliks sehr angetan: Den einen Abend schaffte sie sieben Spieße alleine!

Die restlichen beiden Tage verbrachten wir damit, uns folgende Dinge anzusehen: das Provinzmuseum mit einer tollen Ausstellung über tibetische Kunst (Thangkas, Teppiche, Holz- und Steinschnitzereien) sowie alten Fotos aus China, den Bergtempel Beishan Si, der leider teilweise geschlossen war, aber einen schönen Blick über Xining und dessen Umgebung bot, und die Große Moschee, die nicht sehr hübsch, aber sehr lebendig war.

Die Zeit zwischen den Besichtigungen verbrachten wir – wie auch an anderen Orten unserer Reise – in der Jugendherberge, wo Ira & Rona schnell immer wieder viele Freunde unter Personal und Gästen fanden, so dass sie viel rumtoben und spielen konnten und ihnen das Ganze nicht zu anstrengend wurde. Katrin war inzwischen nach Xinjiang weiter gereist, aber das war uns dann doch zu weit – es wären noch einmal ca. 2100 km in Richtung Nordwesten gewesen. Xiong blieb noch etwas länger da und flog dann nach Beijing weiter. Wir dagegen fuhren dann am 13.August um 21 Uhr nach Shanghai ab, am 15. waren wir pünktlich früh um 6 Uhr wieder da.

 

Damit war unser Urlaub natürlich noch nicht zu Ende – wir hatten nur wieder einmal unsere Pläne geändert. Uns kam unterwegs die Idee, dass wir nach Südosten fahren könnten, nach Xiamen in der Provinz Fujian. Xiamen, früher Amoy genannt, liegt am Meer, hat Strände sowie koloniale Architektur, da seit Mitte des 19. Jahrhunderts hier Europäer wohnten. Zudem sind in der Nähe der Stadt die runden, festungsartigen Erdgebäude der Hakka, einer nationalen Minderheit, zu finden. Klang also interessant. Allerdings war das von unseren bisherigen Zielen in Amdo so weit entfernt, dass wir uns dachten, dass wir auch einen Zwischenstopp in Shanghai machen könnten und alle dicken Sachen, die wir in den Bergen brauchten, zu Hause lassen könnten. Gesagt – getan.

 

Am 19. August fuhren wir mit einem Schlafzug los, kamen am Nachmittag des nächsten Tages in Xiamen an und fanden eine nette Jugendherberge in einem Villenviertel.

Der darauffolgende Tag brachte uns nach Gulang Yu, einer vorgelagerten Insel. Diese war früher der bevorzugte Wohnsitz der Europäer, um der Sommerhitze zu entgehen. Auch heute sind noch viele dieser Gebäude zu sehen; allerdings sind auch hier wieder etliche chinesische Tourgruppen samt Reiseleiter und Megaphon unterwegs, so dass wenig von Sommerfrische und ausspannen übrig bleibt... Also blieben wir nicht allzu lange, zumal auch der Inselstrand sehr überlaufen und ebenso verdreckt wie das Wasser war. Statt dessen fuhren wir zum alten Fort, wo verschiedene Kanonen daran erinnerten, dass hier früher ein strategisch äußerst wichtiger Ort war. (Jetzt ist da nur noch Taiwan in der Nähe, aber das ist ja alles China, oder?)

Und dann machten wir uns wieder auf eine Tour: Mit dem Bus fuhren wir nach Hukeng. Dort gibt es viele der schon genannten Erdhäuser. Die Fahrt selbst war wieder einmal beeindruckend, allerdings dieses Mal nicht wegen der Naturschönheiten, sondern auf Grund der grandios zu Schanden gerittenen Landschaft: Überall kleine (illegale?) Kohleminen, graue Fabriken mit ebensolchen Abgasen, klapprige LKWs mit Dieselfahnen... Doch je näher wir unserem Ziel kamen, desto besser wurde es zum Glück. Jana erinnerte die Busschaffnerin daran, dass wir in Hukeng aussteigen wollten, und gleich organisierte sie für uns eine Übernachtungsmöglichkeit im Ort. Überraschenderweise wurden wir auf einer Brücke aus dem Bus geschmissen, um sofort in einen Minibus verfrachtet zu werden. Der Fahrer brachte uns zum wohl schönsten Gebäude in Hukeng, zum Zhencheng Lou und erklärte, dass wir hier schlafen könnten. Wow! Es war grandios! Ein riesengroßes rundes Haus, von außen wie eine Festung mit ganz wenigen und kleinen Fenstern, öffnete es sich nach innen vier Etagen hoch, mit separaten Hofgebäuden in Kreisform, einem großen Ahnentempel als Mittelpunkt. Und da konnten wir schlafen – toll! Den Nachmittag verbrachten wir mit einer ausgiebigen Wanderung durch das Tal, besichtigten viele der runden und eckigen Gebäude, rasteten in einem, wurden von Regenfällen überrascht und fühlten uns sauwohl. Das selbe machten wir am folgenden Vormittag, wobei Ira & Rona am meisten von den unrestaurierten, nicht touristischen Gebäuden beeindruckt waren: Hier gab es innerhalb der Häuser Hühner-, Hasen-, Enten- und Schweineställe. Das hatten unsere beiden Stadtkinder so noch nie gesehen.

Am Mittag fuhren wir nach Xiamen zurück. Dort angekommen, kauften wir uns gleich Bustickets für die Rückreise nach Shanghai. Ja, Bustickets! Es gibt nämlich Schlafbusse, die nur ca. 15 Stunden für die ganze Strecke brauchen – zehn weniger als der Zug. Und die Erfahrung wollten wir auch mal machen.

Doch wir hatten noch zwei Tage Zeit bis zur Rückreise. Die Zeit verbrachten wir angenehm, z.B. mit einem ausgiebigen Strandspaziergang. Außerdem war dieser Teil des Strandes sauberer als auf Gulang Yu, auch das Wasser war klarer. Ok, es ist nicht mit Thailand vergleichbar, schließlich hat Xiamen auch einen Hochseehafen, doch es war gut genug zum Baden. Zumindest Ira & Rona ließen sich nicht mehr halten und sprangen endlich doch mal ins Wasser.

Der letzte Urlaubstag sah uns dann doch wieder auf einem Berg. Wir gingen zum Tempel Nanputuo Si, der sehr aktiv ist. Hinter dem Tempel ging es viele Stufen bergauf, und von oben hatten wir einen tollen Überblick über Xiamen, die umliegenden Inseln, die Schiffe, das Meer...

Am Nachmittag ging es dann mit dem Bus los, und am 26. August waren wir wieder in Shanghai.

 

Insgesamt haben wir in diesen wenigen Wochen ca. 6500 km hinter uns gebracht, größtenteils per Zug, aber auch per Bus. War es anstrengend? Ja, das Reisen durch China ist manchmal etwas beschwerlich, weil es nicht immer einfach ist, Tickets zum gewünschten Ziel zur gewünschten Zeit zu bekommen. War es ein schöner Urlaub? Ja, auf alle Fälle. Viel beeindruckender als jede Beschwernis ist die Vielfalt der Landschaften und Kulturen, die Verschiedenheit der Menschen, ihre Offenheit, Neugier, Freude. Ira und Rona haben sich mit der kleinen Digitalkamera abgewechselt, haben viele Dinge ganz bewusst gesehen und kennen gelernt. Wir haben auf dieser Reise so viele schöne Dinge gesehen, dass wir froh sind, diese Reise gemacht zu haben.

 

So – dass war der Bericht. Jetzt müssen wir nur noch einen Weg finden, die Bilder endlich auch ins Netz zu bekommen. Wir hoffen, dass klappt bald!

 

Achtung - jetzt könnt Ihr Fotos gucken! Hier klicken!

3月24日

Thailand 2007

Wie (fast) immer waren wir in den Winterferien in Thailand, wie immer gibt es einen (verspäteten) Bericht und Fotos.

Also: Am 2. Februar ging es los. Dieses Mal erst so spät, weil Ira ja jetzt ein Schulkind ist und nicht früher Ferien hatte. Deshalb mussten wir auch am 25.2. schon wieder in Shanghai sein, denn am 26. fing bei Ira schon das neue Semester wieder an. Es war also für unsere Verhältnisse ein relativ kurzer Urlaub – aber dafür einer der schönsten.

Mit uns ist Sandra geflogen, eine Freundin, die früher auch bei uns und jetzt an einer anderen Shanghaier Uni arbeitet. In Bangkok angekommen (neuer Flughafen – toll!), wurden wir von Jan abgeholt. Auch er hat einmal bei uns an der Tongji gearbeitet und tut dies jetzt in Bangkok. Gemeinsam fuhren wir zu seiner Wohnung, kauften uns auf einem Markt leckeres Abendessen und quatschten.

Am nächsten Tag fuhren wir dann zu unserem Guesthouse (von Shanghai aus vorgebucht), kümmerten uns um Zugtickets für die spätere Reise und warteten auf Doreen, Sven und Nils. Unsere Freunde aus Leipzig kamen dann wie geplant am Nachmittag, und wir beschlossen den Tag bei einem schönen Abendessen.

Den nächsten Tag verbrachten wir getrennt von unseren Freunden. Wir gingen spazieren und versuchten dabei, ein Boot zu finden. Denn am 5.2. wollten wir nach Ayutthaya fahren, in die ehemalige Hauptstadt. 1767 gewannen die Burmesen den Krieg gegen Ayutthaya und zerstörten die Stadt, übrig blieben jede Menge wunderschöne Tempel-Ruinen. Vor vielen Jahren haben meine Schwester, ihr Freund und ich diese Reise auf dem Chao-Praya-Fluss entlang gemacht, und es war wunderschön. Dieses Mal wollten wir das wiederholen, aber: Niemand war bereit, uns die ca. 90 km den Fluss aufwärts zu fahren. Schade...

Also nahmen wir 7 am nächsten Tag den Zug: 3. Klasse, Holzbänke, offene Fenster – es hat toll Spaß gemacht. Bald waren wir da, fuhren mit einer Fähre über den Fluss und fanden unser Guesthouse, ein ca. 100 Jahre altes Holzhaus mit stilvollen alten Möbeln und einer großen Terrasse direkt am Fluss. Wunderbar! Was man von der Nacht nicht unbedingt sagen konnte: Die Boote und Schiffe auf dem Fluss bliesen ihre Abgase meist ohne Auspuff und somit ohne Schalldämpfer in die Gegend, und auch die Hauptstraße war nicht weit... Es war also seeehr laut.

Am nächsten Tag begann wir dann unsere Tempeltour: Mit einem Tuk-Tuk fuhren wir zu unserem ersten Tempel: Wat Lakayasutharam mit einem riesigen liegenden Buddha. Weiter ging es zu Wat Worapho, Wat Phra Si Sanphet (mit drei großen Chedis = Stupas), zum Schluss noch zu Wat Mahathat (mit einem wunderschön in einem Baum eingewachsenem Buddha-Kopf) und zu Wat Ratchaburana. (Ok, die Namen sagen jetzt sicher nicht allzu viel – aber in dieser Reihenfolge sind auch die Fotos angeordnet.) Das war ganz schön anstrengend, da wir viele Strecken zu Fuß gegangen sind. Aber es war nicht zu heiß an diesem Tag, und die Kinder konnten zusammen über die Ruinen klettern, auf Chedis steigen – es hat ihnen Spaß gemacht.

Der nächste Tag war fast noch anstrengender: Am Vormittag besichtigten wir das wunderschön restaurierte Wat Chaiwatthanaram, ein traditionelles Thai-Haus und Wat Yai Chai Mongkhon (mit vielen, vielen Buddhas), bevor es mit dem Bummelzug nach Bangkok zurückging. Am Abend ging es aber schon weiter. Die übliche Tour: Nachtzug nach Suratthani – Bus zum Meer – Boot auf die Insel – Pick-up-Taxi zum Maenam-Strand – „Hallo Nature Bungalow“! Verblüffend, wie einfach und gewohnt alles ablief – als wäre man gerade erst da gewesen. „Unser“ großer Bungalow vom letzten Jahr war auch frei, Doreen, Nils und Sven mussten eine Nacht in einem kleinen Häuschen verbringen, bevor auch für sie ein großes frei wurde.

Am 8. Februar waren wir also da, und es begann die übliche Faulenzerei: Baden, Strand, Thai-Massagen, Strandspaziergänge, Moped-Touren über die Insel, Besuche in Buchläden, leckeres Essen, Bier... also alles, was Spaß macht. Die Kinder spielten wunderbar zusammen, so dass der Erholfaktor dieses Mal wirklich ungeheuer war. Rona war aus dem Wasser überhaupt nicht mehr herauszukriegen, Ira hat ihre sämtlichen deutschen Bücher alleine durchgelesen und am vorletzten Tag (!) auch noch Schwimmen gelernt.

Doch soo viel Freizeit hält ja kein Mensch aus – also blieben wir vier „nur“ bis zum 19. Februar. Am Abend ging es mit dem Nachtzug (natürlich wieder mit 2,5 Stunden Verspätung) Richtung Norden. In Nakhon Pathom stiegen wir aus und fuhren dann nach Kanchanaburi. Der Ort ist wegen seiner Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg und der damals errichteten Brücke („Die Brücke am Kwai“) berühmt. Dort habe ich während meiner Nakhon-Pathom-Zeit mehrere Wochenenden verbracht. Nicht wegen der Brücke oder der Geschichte, sondern weil man dort wunderbar abhängen kann, war es meine „Wochenend-Ausspanne“. Jana wollte diesen Ort schon lange kennenlernen, also haben wir dieses Mal die Chance genutzt. Wieder fuhren wir mit einem herrlich schwankenden Bummelzug – Ira & Rona waren begeistert.

Wir fanden ein nettes Guesthouse mit einer Art Finnhütten, daneben ein schönes Restaurant zum Rumlümmeln direkt am Fluss mit Blick auf die Berge am Horizont. Am Nachmittag gingen wir über die berühmte Brücke, am Abend besuchten wir einen kitschig-bunten chinesischen Tempel und gingen über zwei riesige Friedhöfe: einen chinesischen und einen aus dem Zweiten Weltkrieg. Das hat unsere Kleinen schon sehr beeindruckt.

Am nächsten Tag mieteten wir uns wieder ein Moped und fuhren durch die Gegend: Wir sahen uns verschiedene Bergtempel an, die zum Teil in Höhlen lagen, durch die Ira & Rona ganz lässig wanderten, während wir beiden uns durch die Felsspalten zwängen mussten. Das hat Spaß gemacht. Am Nachmittag dann wieder Abhängen im Restaurant.

Am 22. Februar mussten wir ganz früh raus – wir wollten wieder nach Nakhon Pathom fahren, um meine früheren Kolleginnen in der Silpakorn Universität zu treffen. Aber es gab nur einen Zug – um 7.19 Uhr! Naja, aber es macht einfach mehr Spaß als mit dem Bus. Also sind wir „mitten in der Nacht“ losgefahren und waren dann auch ganz früh schon da. Wir haben uns in Ruhe Phra Pathom Chedi angesehen, das weltweit höchste buddhistische Bauwerk (127m). Außerdem war rund um den Tempel gerade ein Obst-Festival, so dass wir ein wenig durch die vielen verschiedenen Stände geschlendert sind. Gegen Mittag waren wir dann in der Uni und haben meine Kolleginnen wieder getroffen. Das war schön, doch leider war Narümon nicht da – sie machte gerade eine zweiwöchige Schweige-Meditation. Am Nachmittag fuhren wir dann mit dem Bus nach Bangkok zurück und mit einem Tuk-Tuk zu unserem Guesthouse.

Als wir am nächsten Morgen aus unserem Zimmer kamen, saßen Doreen, Sven & Nils schon da und warteten auf uns. Sie waren in der Nacht mit dem Zug von Koh Samui gekommen. Den Tag verbrachten wir natürlich zusammen: Frühstück, dann Zoo, am Nachmittag noch eine gemeinsame Bootstour durch die Kanäle Bangkoks. Nach dem Abendessen sind die drei dann zum Flughafen gefahren.Wir hatten noch einen Tag, den wir recht entspannt verbrachten, letzte Mitbringsel kauften und am Nachmittag auch zum Flughafen aufbrachen. Am Abend ging es dann los, und am Sonntag-Morgen um 3.30 Uhr waren wir wieder zu Hause in unserer Wohnung.

2月17日

Thailand 01-02/2006

Hallo, liebe Leute,

 

wie Ihr wisst, waren wir wieder einmal in THAILAND. Und wie üblich gibt es auch wieder einen kleinen Bericht, dieses Mal erstmalig auch mit Fotos. So, und damit hätte ich auch gleich ein kleines Problem: Wenn Ihr unsere alten Reiseberichte gelesen habt, dann wisst Ihr eigentlich auch schon alles. Ich werde mich also auf die Besonderheiten dieser Reise beschränken.

 

Los ging es am Abend des 21. Januar, und zwar genau um 22.10 Uhr. Halb zwei waren wir in Bangkok, nach Geldtausch und Taxifahrt trafen wir ca. 3 Uhr am vorgebuchten Hotel ein, warfen unsere Rucksäcke ins Zimmer und gingen in die gegenüberliegende Kneipe zu Bier und Banana-Shakes. J

Nach dem Aufstehen erledigten wir die ersten Einkäufe und machten uns auf die Suche nach Tickets zu unserer „Lieblingsinsel“ Koh Samui. Nach einiger Zeit wurden wir fündig und bekamen welche für den gleichen Abend! Also mussten wir unser Hotelzimmer aufgeben und irgendwie den Tag bis zum Abend verbringen. Aber das war ganz einfach, wir setzen uns in ein großes Open-Air-Restaurant, aßen und tranken – und die Kinder spielten mit einem kleinen Kanadier, der seltsamerweise ebenso wie sie fließend Chinesisch sprach! (Also: Lernt Chinesisch – es hilft!)

 

Pünktlich um 19.15 Uhr fuhr unser Nachtzug Richtung Süden, am nächsten Tag waren wir wieder wie in den Vorjahren bei „Nature Bungalow“. Wir bekamen das tollste Häuschen, das sie haben, und da blieben wir dann bis zum 8. Februar. Die Tage verliefen wir immer, wenn wir dort sind: Baden, Lesen, viel leckeres Thai-Essen, Strandspaziergänge, Moped-Touren über die Insel. Alles nix Neues. Neu war dagegen, dass Ira und Rona natürlich zwei Jahre älter waren. Beide spielten so toll und gut zusammen, dass wir dieses Mal zum ersten Mal auch richtig viel Zeit für uns hatten – es war der bisher entspannteste Urlaub. Beide gingen früh ins Wasser und waren im Prinzip bis zum Abend nur unter Protesten wieder herauszukriegen! An Mittagsschlaf war nicht zu denken, dafür fielen die beiden abends wie ausgeschaltet in die Betten.

 

Am 8. Februar fuhren wir wieder auf der üblichen Weise (Fähre, Bus, Nachtzug) in Richtung Bangkok ab und kamen recht entspannt am Morgen des 9. dort an. Wir hatten wieder ein Hotel vorbestellt, so dass wir nicht suchen mussten. Um uns etwas Schönes zu gönnen, mieteten wir ein Boot und ließen uns eine Stunde durch die Kanäle der Stadt gondeln. Der nächste Tag führte uns zu Jörgs „alter“ Uni in Nakhon Pathom. Es war schön, wieder mit den Kolleginnen zu quatschen, sie nach zwei Jahren wieder zu treffen.

 

Tja, und das war dann auch schon der Urlaub. Am letzten Tag, dem 11. Februar, besichtigten wir noch Wat Poh, den Tempel mit dem großen liegenden Buddha, am Nachmittag ging es zum Flughafen und um 19.50 Uhr flogen wir wieder nach Shanghai. Die Stadt empfing uns mit frühlingshaften 16 Grad, aber das ist schon wieder vorbei: 3 Grad und Schnee(!)regen...
12月27日

Weihnachten 2005

Es weihnachtete wieder einmal. Da der 24. dieses Mal auf einen Samstag fiel, hatten wir sogar fast richtige Weihnachten, also wenigstens einen Tag frei - natürlich ohne Schnee.

Wie jedes Mal haben wir uns Freunde eingeladen, die Kollegen Kristina und Christopher sowie erstmals drei Chinesinnen: Melanie, die eigentlich Wang Xiaodan heißt, Xiong Weiyue, Wang Lei und Katharina, deren chinesischen Namen ich jetzt gerade vergessen habe.

Am Nachmittag ging es so gegen 15 Uhr los, nachdem Jörg traditionell am Vormittag den Weihnachtsbaum aufgeblasen hatte - diesmal mit der Fahrrad-Luftpumpe - und die Kinder ihn erstmalig geschmückt hatten. Unsere Gäste kamen und es gab Kaffee und Stollen und Lebkuchen und Honignüsse und Dominosteine und Mandeln... (Danke an Sandra & Gunnar, die das alles heldenhaft bereits im November hierher geschleppt hatten!) Anschließend folgte der traditionelle Weihnachtsfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", und dann wurden die Kinder auch schon unruhig - wo blieb der Weihnachtsmann? Hm, keine Ahnung. Zu allem Unglück musste auch noch der Obstsalat zubereitet werden... Da viele Hände bekanntlich schnell arbeiten, musste nicht allzu lange gewartet werden. Christopher ist dann zu seiner Wohnung gegangen, um (offiziell) den vorbereiteten Kartoffelsalat zu holen. Just in diesem Moment kam dann der Weihnachtsmann (wie schade für Christopher!). Erst drehte er eine Runde um unser Haus; Ira rief ihm vom Balkon hinterher - und Rona fing an zu weinen! Doch als er dann bei uns an die Tür klopfte, hatte sich Rona beruhigt. Dafür hatte Ira jetzt Angst, die Tür zu öffnen...

Aber das war gleich vorbei, der Weihnachtsmann kam herein und beide Kinder waren seeehr aufmerksam (auch die chinesischen ;-))). Nachdem die Kleinen ihre Lieder gesungen hatten (Ira: "Oh Tannenbaum", Rona: "We wish you a merry Christmas") gab es Geschenke: Bücher und Malbücher und Bastelbögen und Puzzles und viiiiiiiiel Schokolade. Sie haben sich sehr gefreut. Für unsere chinesischen Freundinnen haben wir den "Kleinen Prinz" als Taschenbuch besorgen lassen - kam auch gut an.

Dann wurden natürlich alle eingespannt und "mussten" mit den Kindern spielen und die neuen Sachen ausprobieren, bevor es Abendbrot gab. Zum Glück war Christopher auch endlich mit dem Kartoffelsalat wieder da, und wir konnten anfangen mit Würstchen und Hühnerschnitzeln.

Ira und Rona gingen so gegen 8 ins Bett, und wir Großen haben es uns mit Feuerzangenbowle gemütlich gemacht und gequatscht bis gegen halb 12.

Es war ein schöner Abend - auch wenn der Rotwein noch am nächsten Tag mächtig in der Birne geschaukelt hat... Wie sagte Melanie doch so schön: "Etwas unklar im Kopf sein ist cool."

Nun müssen wir leider auch am 31. Dezember arbeiten, wie wir gerade erfahren haben. Dafür haben wir dann bis zum 4. Januar frei. Ooch schön!

Rutscht gut rein!

 

PS Ein großes Dankeschön an Xoing, von der einige der Bilder sind.

8月19日

Yunnan 07-08/2005

es ist seit langer zeit endlich wieder mal soweit: es gibt einen neuen reisebericht, dieses mal über unsere REISE DURCH YUNNAN. yunnan ist die südwestlichste provinz chinas, 394.000 km2 groß mit 42,8 mio. einwohnern. geplant hatten wir diese tour schon lange, denn studenten von dort hatten uns immer wieder etwas von ihrer heimat vorgeschwärmt: freundliche menschen, abwechslungsreiche natur, leckeres essen. aber immer kam etwas dazwischen: kinder zu klein, geld zu wenig, zeit zu knapp... doch dieses mal sollte es klappen. dabei wollten wir endlich wieder einmal so reisen, wie wir es früher auch immer gemacht haben: ohne genaue planung, nur mit einigen grobzielen im kopf, reiseroute und –dauer bestimmt von wetter, interessen und geld. insofern war dieser urlaub eine premiere für uns: werden die kinder diese art des reisens verkraften? müssen zu viele dinge wegfallen, weil es zu anstrengend ist? werden wir uns etwas erholen können oder wird alles nur ein krampf? wir waren etwas unsicher, aber das risiko wollten wir eingehen. zu groß war es schließlich auch nicht – mit dem flugzeug wären wir jederzeit schnell wieder in shanghai gewesen.

 

am 24. juli ging es los. wir sind direkt nach lijiang geflogen, mit kurzem zwischenstopp in kunming, der provinzhauptstadt. lijiang ist eine zweigeteilte stadt: einerseits so modern und gesichtslos wie fast jede stadt in china, andererseits besitzt sie einen vollständig erhaltenen altstadtbereich, der zum unesco-weltkulturerbe gehört und wunderschön ist. dort kann man sich wunderbar treiben lassen, die alte architektur bewundern, in tollen alten häusern wohnen, traditionelle handwerkskunst bewundern – und versuchen, irgendwie den touristenmassen auszuweichen. das ist nämlich der nachteil dieser stadt: seit viele chinesen relativ wohlhabend geworden sind, haben sie das reisen entdeckt – am besten in geschlossenen gruppen mit megaphon-bewaffneten reiseleitern. dadurch verliert die stadt etwas von ihrem charme. aber da die meisten touristen von sehenswürdigkeit zu sehenswürdigkeit getrieben werden und ansonsten in den zahllosen läden mit mehr oder – meist – weniger authentischen „traditionellen“ dingen einkaufen gehen, bleiben etwas außerhalb des direkten zentrums noch genug stille gassen übrig, um die stadt zu genießen.

wir sind also hier angekommen, ohne zu wissen, ob und wo wir eine unterkunft finden würden. doch kein problem: der taxifahrer, der uns an der endhaltestelle des flughafenbusses aufsammelte, hatte natürlich eine schwester, die natürlich auch ein family-guesthouse besaß und natürlich auch platz hatte. wir waren gespannt. das haus war ein richtig traditionelles vier-seiten-haus mit innenhof. toll! wir bekamen ein großes zimmer im erdgeschoss – und zogen einen tag später wieder aus. denn family-style-guesthouse heißt auch: das familienleben spielt sich auf dem hof des hauses ab. mit freunden, verwandten, kindern und hunden bis spät in die nacht. das schlafen war dadurch schwierig... wir hatten so etwas schon vermutet und sind am abend etwas rumgezogen, um uns nach anderen schlafmöglichkeiten umzusehen. wir fanden eine bezaubernde jugendherberge, die leiser, sauberer und auch noch billiger war; dort blieben wir dann vier nächte.

die ersten beiden tage ließen wir uns durch die altstadt treiben, guckten uns um, genossen die trotz der vielen touristen entspannte atmosphäre der stadt. was für ein unterschied zu shanghai! wir fanden dann auch einen fahrrad-vermieter, der zwei fahrräder mit kindersitzen anbot – da haben wir sofort zugegriffen. für lijiang selbst braucht man keine fahrräder, aber wir wollten auch die umgebung erkunden. am dritten tag sind wir dann losgeradelt richtung baisha, einem kleinen dorf nördlich lijiangs. dort in der umgebung gibt es einige kleine buddhistische klöster. in einem sind wir gewesen, und ira hat dort gebetet (seit einiger zeit will sie in jedem tempel zu buddha beten – weiß der fuchs, warum) und von einem mönch einen weißen tibetischen schal bekommen, den sie dann zu den vielen anderen an einen baum gebunden hat. unterwegs hatten wir glück: für kurze zeit war es möglich, den schneebedeckten gipfel des yulong xueshan (jadedrachenschneeberg, 5500 meter hoch) zu sehen. ira wollte daraufhin unbedingt auf den berg, um einen schneemann zu bauen. aber dafür hatten wir eindeutig zu sommerliche klamotten mit...

baisha selbst hat einen alten tempel mit wenigen erhaltenen fresken, eine hauptstraße mit zahllosen touristen-nepp-läden und ansonsten nicht viel außer authentischer naxi-atmosphäre. (die naxi sind eine nationale minderheit, die hauptsächlich in dieser gegend um lijiang lebt, mit eigener sprache, schrift und religion.) für uns die große überraschung: wir wollten in ein kleines straßenrestaurant gehen, da stellte sich heraus, dass der besitzer sein ganzes haus in ein naxi-museum umgebaut hatte: tolle atmosphäre und leckeres essen – schön! auf dem rückweg machten wir einen abstecher nach shuhe, kehrten aber gleich wieder um: der „authentische“ traditionelle ort entpuppte sich als reine kunst-kulisse für reisegruppen. furchtbar!

in den nächten tagen entdeckten wir in lijiang verschiedene interessante dinge: eine kupferschmiede, eine traditionelle papierfabrik, eine naxi-schule, in der kinder ihre eigene traditionelle sprache lernen können, da sie ansonsten nur noch chinesisch lernen, und den „dongba-palace“ (dongba heißt die religion der naxi.). dort gab es eine austellung mit alten fotos, und ira und rona nutzten die zeit, um auf der bühne etwas wushu zu machen. am abend gingen wir dann in diesen palast, um uns eine aufführung mit naxi-musik und –tänzen anzusehen. das war beeindruckend und wir haben uns auch gleich noch cd und dvd davon gekauft. (die dvd sehen sich ira und rona jetzt gerne an – es scheint ihnen riesig gefallen zu haben trotz der späten stunde.)

 

am nächsten tag (29. juli) wollten wir dann noch weiter in den norden nach zhongdian fahren. dieser ort liegt im tibetischen kulturkreis, 3200 meter hoch. also sind wir früh zum busbahnhof, doch ehe wir überhaupt am kartenschalter waren, wurden wir schon abgefangen: alles wäre ausverkauft, der nächste bus mit freien plätzen würde erst um 11 uhr fahren und ob wir nicht vielleicht lieber mit einem auto würden fahren wollen. hm, was nun? doch dann sagte der fahrer, dass es insgesamt nur 100,- ¥ (ca. 10 €) für die 198 km lange strecke kosten solle. wir waren immer noch skeptisch, doch es stellte sich heraus, dass der fahrer ein reguläres taxi hatte und aus zhongdian stammte und eine rückfahrt brauchte. also alles klar. wir fuhren recht flott los und schon bald wurde es rona leierig – die gebirgspässe waren nicht einfach für sie. zum glück hatten wir damit gerechnet und aus dem flugzeug haufenweise spucktüten mitgenommen. (unsere kinder haben sie fast alle gebraucht!) nach ca. einem drittel der strecke kamen uns viele leute entgegengelaufen: die straße sei zu, erdrutsch! auch das noch... zum glück kannte unser fahrer eine andere, atemberaubende strecke, von der aus wir die verschüttete straße sogar sehen konnten. leider konnten wir die fahrt durch die wunderschöne, abwechslungsreiche hochgebirgslandschaft nicht richtig genießen: es war eine furchtbare holperpiste, und da hatten wir alle hände voll zu tun, immer die entsprechenden tüten unter die münder unserer kinder zu platzieren! doch nach knapp vier stunden waren wir in zhongdian – zwei stunden schneller, als es der bus gewesen wäre. und ob da unsere kinder entspannter gewesen wären – wer weiß?

 

auch zhongdian (wird bereits als „shangri-la“ nach dem tibetischen paradies im roman „lost horizon“ von james hilton vermarktet) ist wie lijiang eine zweigeteilte stadt: neustadt und altstadt liegen nebeneinander, als hätten sie nichts miteinander zu tun. dabei ist allerdings auch im neuen stadtteil der einfluss der tibetischen architektur im straßenbild zu erkennen. der vergleichsweise kleine alte teil der stadt glich einer großen baustelle. offensichtlich ist geplant, in zukunft auch ein touristisches zentrum wie in lijiang aus dem ort zu machen: überall wurde gebaut, an- und umgebaut, wurden häuser vergrößert. allerdings – das muss man zu gute halten – im traditionellen stil. häuser wurden aus holz errichtet und nicht wie andernorts aus fertigbeton. wir waren jedenfalls froh, dass wir den ort erleben konnten, bevor auch hier eine reisegruppe nach der anderen durchgeschleust wird; die ersten wenigen gab es bereits.

wir kamen im regen an, niemand machte werbung für guesthouses... was tun? die kinder waren fix und fertig, und auch wir brauchten eine pause. also gingen wir in das erstbeste kleine hotel, das wir am weg fanden (großer name: „potala lodge“, aber eng und irgendwie verbaut), nahmen uns ein kleines doppelzimmer und aßen erstmal mittag. anschließend, es hatte aufgehört zu regnen, gingen wir ein wenig in den straßen der altstadt spazieren und entdeckten ein einfaches, aber traumhaftes guesthouse: „hazel hostel“. die besitzerin, hazel, kam uns gleich entgegen: ein großes zimmer mit zwei riesigen betten sei frei und koste nur 4 €! da haben wir uns über unsere übereilte wahl schon etwas geärgert, aber nach kurzem nachdenken sind wir trotz bezahltem zimmer im „potala lodge“ umgezogen: bei hazel hatten wir viel platz, überdachte bänke und tische vor dem haus, restaurants in den nachbarhäusern, und vor allem: keine baustellen in der direkten nachbarschaft! wir haben diese entscheidung nicht bereut, auch wenn wir die eine nacht in der “potala lodge“ umsonst bezahlt haben...

die altstadt ist klein, man ist in einer stunde durchgewandelt und hat tolle häuser gesehen. also sind wir am nächsten tag ein wenig in die umgebung gegangen: gleich hinter dem ort liegt auf einem berg baijisi – der tempel des weißen huhns (!). nicht groß, nicht schön. aber von tausenden gebetsfahnen umgeben und mit einer guten sicht auf die umliegenden berge, die stadt und die mitten im ort auf einem kleinen hügel stehende, mehrere meter hohe gebetsmühle. wir haben später versucht, sie zu drehen – fast unmöglich! am ende haben wir es doch geschafft – kann ja nicht schaden. dann gab es noch einen kleinen tempel mit einem tausendarmigen buddha, der wunderschön ist, und einer ausstellung über den heldenhaften kampf der mao-armee! wie das? ganz einfach: der berühmte „lange marsch“ führte hier in der nähe vorbei.

der abend brachte dann eine tolle überraschung: auf dem marktplatz der altstadt gab es laute musik, leicht angepopte tibetische volksmusik. und je dunkler es wurde (und es wurde seeeehr dunkel, weil gerade die stromleitungen neu verlegt wurden und somit die altstadt während der gesamten dauer unseres aufenthalts keinen strom hatte!), desto mehr menschen trafen ein: alte frauen in traditioneller kleidung, mädchen und jungen, jugendliche, männer in arbeitskleidung oder in besten ausgeh-anzügen, dazwischen ein paar chinesische und ausländische touristen – und alle tanzten zusammen im kreis nach traditionellen schritten zu dieser musik! ein faszinierender anblick!

am nächsten tag fuhren wir mit dem bus zum songzanlin-kloster – ein großer komplex verschiedener tempelgebäude, mönchswohnungen und wirtschaftsgebäude. nachdem wir die treppe zum haupttempel geschafft hatten, gingen wir gleich hinein. doch bevor wir in die große haupthalle kamen, fiel uns ein schild auf: zur bibliothek. also sind wir den stufen gefolgt, haben die mickrige bibliothek fast übersehen, und standen plötzlich in augenhöhe einer riesigen buddha-figur gegenüber! beeindruckend! anschließend konnten wir sogar auf das dach des tempels klettern und den grandiosen ausblick völlig touristenfrei genießen. allein schon das hätte den ausflug gelohnt, doch es gab ja noch viele andere gebäude zu besichtigen, vor buddhas zu beten (ira und auch rona!), sich treiben zu lassen... ein herrlicher tag bei schönem, sonnigen wetter. abends sahen wir dann mit den kindern wieder dem massentanz auf dem marktplatz zu und ließen uns von der atmosphäre gefangen nehmen.

unseren letzten vormittag in zhongdian verbrachten wir in der neustadt – wir hatten gemerkt, dass die atmosphäre hier sehr locker und entspannt ist, und so wollten wir ein wenig durch die geschäfte strollen. es war ein interessanter trip – erstaunlich, was auf den lokalen märkten alles angeboten wurde. außerdem haben wir einige cds mit tibetischer musik gekauft; sie gefällt uns sehr. den nachmittag vertrödelten wir auf der terasse „unseres“ restaurants. die kinder spielten wie jeden nachmittag mit mimi, der kleinen hauskatze, wir unterhielten uns mit hazel. am schluss zeigte sie uns ihre wohnung über dem restaurant, eingerichtet mit alten tibetischen möbeln. neid!

um 19 uhr fuhr dann unser schlafbus in richtung dali (1. august). schlafbusse sehen von außen aus wie zusammengedrückte doppelstockbusse; innen gibt es nebeneinander drei reihen doppelstockbetten, so dass insgesamt rund 30 leute mehr oder weniger schlafend durch die nacht geschaukelt werden können. wir hatten bammel vor der fahrt. schließlich sollte es acht stunden lang über gebirgspässe gehen, von 3200 auf 1900 meter hinunter, und die hinfahrt war für die kinder nicht gerade eine erholung. doch es ging problemlos. aufgrund der späten abfahrtszeit waren beide ausreichend müde, so dass sie fast sofort ein- und – noch besser – fast komplett durchschliefen. früh um drei kamen wir in xiaguan, dem modernen verkehrsknoten nahe dalis, an. glücklicherweise durften alle reisenden im bus liegenbleiben und weiterschlafen; gegen 7 uhr nahmen wir uns ein taxi nach dali-altstadt.

 

dali war auf den ersten blick ein schock: riesige (und volle) guesthouses mit bus-parkplätzen, eine westliche kneipe neben der anderen, jede menge westliche touristen, relativ unfreundliche menschen... dieses bild hat sich zwar später relativiert, aber der kontrast zu zhongdian hätte größer nicht sein können. aber es musste ja so sein: selbst in unserem alten lonely-planet-reiseführer (2000) wird der ort als „a perfect place to tune out“ beschrieben – logisch, dass es hier von backpackern wimmelt. zudem die landschaft mit erhai-see auf der einen und cangshan-berg auf der anderen seite des ortes viel abwechslung bietet. dali hat eine relativ gut erhaltene altstadt, die allerdings nicht ganz so rein erhalten ist wie in lijiang oder zhongdian; trotzdem ist der ort natürlich nicht mit den gesichtslosen chinesischen durchschnittsstädten zu vergleichen.

nach unserer ankunft hatten wir einige mühe, eine preiswerte unterkunft zu finden. doch nach einer weile klappte es, wir bekamen ein vierer-zimmer im „old dali inn“, eine art große, leicht abgewirtschaftete jugendherberge. aber es war ok. den tag verbrachten wir mit bummeln durch die stadt und käse-essen. es gibt hier nämlich eine lokale art ziegenkäse, die in flachen scheiben auf essstäbchen gespießt, über feuer erwärmt und mit chili oder zucker (!) angeboten wird. seeeehr lecker (ohne zucker)! außerdem haben wir am selben abend ein kleines straßen-restaurant entdeckt, das „bamboo café“, in das wir in den nächsten tagen regelmäßig gingen: man konnte – eine der wenigen möglichkeiten – in der fußgängerzone des ortes draußen sitzen, das essen war hervorragend und preiswert, und außerdem freundeten sich unsere kinder mit der besitzerin an und spielten mit ihr (bzw. sie mit ihnen), so dass wir dort in ruhe entspannen konnten.

am nächsten tag wollten wir auf den cangshan-berg. mit einem sessellift ging es hoch (und später auch wieder runter), unterwegs sahen wir terrassen-felder, friedhöfe und beeindruckend schnell wechselnde wolken. schön. oben angekommen, folgten wir dem ausgeschilderten weg und kamen von einem schönen panorama zum nächsten. aber am beeindruckendsten waren die wolken: eben noch konnte man einen anderen berggipfel sehen, plötzlich war er verschwunden, um kurze zeit später wieder aufzutauchen. eben noch zog man im sonnenschein den pullover aus, plötzlich suchte man verzweifelt im schatten nach seiner jacke. das war für uns ein absolut neues, faszinierendes erlebnis.

am nachmittag gab’s weitere neue dinge zu bestaunen: ein mann verkaufte auf der straße etwas, das wie durchsichtige orange plastik aussah, mit hammer und messer teilte er den brocken in kleine stücke: naturhonig! wir haben etwas davon gekauft; fest wie bonbons, lecker wie honig! außerdem wurde jana immerzu von alten frauen angequatscht, die eine besondere lokale spezialität anboten – das müsse man unbedingt kaufen, es sei sehr gesund für kinder. naja, sie ließ sich breitschlagen und kaufte etwas von den mehligen kleinen teigkugeln. es schmeckte ganz gut, aber nach dem ersten biss sahen unsere kinder aus wie von oben bis unten bestäubt, teigfäden hingen ihnen aus den mündern. großes gejohle bei den verkäuferinnen!

ein neuer tag, ein neues ziel: xizhou, ein kleines dorf nördlich von dali, das sehr authentische bai (so heißt die nationale minderheit hier)-architektur besitzen soll. hin ging es mit dem öffentlichen bus und mit pferdekutschen. das ist hier ein absolut übliches transportmittel und nicht – wie wir dachten – eine reine touristenfalle. in xizhou angekommen, gingen wir zuerst in ein museum, das neben traditionellen handwerksprodukten auch etwas von der kultur zeigte: tänze, lieder, trachten und dazwischen tee-spezialitäten zum probieren. der ort selbst war nett, aber nichts besonderes. schön war es, durch reisfelder zu spazieren. unterwegs sahen wir eine totenfeier; alle verwandten und bekannten liefen hinter dem sarg durch den ort, dazu musik und feuerwerk. welch zufall!

an unserem letzten tag in dali wollten wir zu einer pagode fahren, die wir vom sessellift aus entdeckt hatten. auf vielfachen wunsch der kinder mieteten wir wieder eine pferdekutsche und ließen uns dahin fahren. aber große enttäuschung: das ganze gelände war wegen renovierungsarbeiten geschlossen! was nun? unser kutscher schlug vor, zum tianlong-filmpark zu fahren. auch gut. dieser park ist eine ansammlung nachempfundener typischer häuser, ob hier wirklich filme gedreht wurden oder werden, haben wir nicht herausbekommen. aber es wurden interessante shows geboten: akrobatik, stelzentänze, hochzeitsfeiern und – besonders für ira interessant – kungfu-kämpfe. während wir warteten, wurden wir ständig von anderen touristen, aber auch von den darstellern der einzelnen szenen umringt. offensichtlich kommen hierher nicht viele ausländische touristen mit kindern. wenn uns diese „belagerung“ vor einigen jahren passiert wäre, hätten wir wahrscheinlich panik gekriegt; jetzt scheinen wir uns schon stark angepasst zu haben... anschließend durften die kinder noch mal kurz auf einem yak sitzen, und dann war auch diese urlaubsstation „abgehakt“; am abend fuhren wir per zug mit dem schlafwagen nach kunming.

 

kunming, die hauptstadt yunnans. 1890 meter hoch, ca. 4 mio. einwohner (also ein dorf im vergleich zu shanghai). dauerregen, hochhäuser, breite straßen. was hatten wir erwartet? wir wissen es nicht genau, aber wahrscheinlich eine große stadt mit einem ähnlichen flair wie in dali... DAS jedenfalls war es nicht. als nach zwei tagen der regen aufhörte, bestätigte sich, dass kunming wirklich keine schöne stadt ist, aber dennoch eine ruhige, entspannte atmosphäre verbreitet. dazu tragen sicherlich die großen fußgängerzonen im stadtzentrum bei. die architektur ist wie fast überall in china: altes weg – neues hin. zusätzlich wird versucht, alte gebäude neu zu bauen! das soll sicherlich gut aussehen, wirkt aber irgendwie ein bissel wie disneyland.

wir kamen jedenfalls am 6. august früh um halb sieben an und fuhren gleich zu unserem hotel. hier hatten wir nämlich ausnahmsweise eins vorgebucht: der vater der freundin eines chinesischen freundes von mir (zhang di heißt er, der freund) ist chef-manager dort, und so konnten wir preiswert eine super-luxus-suite in absolut verkehrsgünstiger zentrumslage bekommen. die aussicht war nicht so doll, aber was soll’s? gleich riefen auch zhang dis eltern an, um uns kunming zu zeigen. also trafen wir uns und sie luden uns zum mittagessen ein. es gab eine besondere spezialität kunmings: brückennudeln. das sind reisnudeln, die zusammen mit verschiedenen zutaten (fleisch, fisch, ei, gemüse) ungekocht in eine schüssel mit sehr heißer brühe getan werden und in der schüssel sehr schnell gar werden – allein durch die hitze der brühe und des öls. sehr lecker.

anschließend wollten uns die eltern durch die stadt führen, aber da es immer noch dauerregnete, beschlossen wir, in den zoo zu gehen. der ist zwar in wirklichkeit nicht unbedingt einen ausflug wert, aber einerseits waren wir sowieso in der nähe, andererseits war das für die kinder viel interessanter als ein weiterer park oder weitere häuser.

am nächsten tag gingen wir auf den vogelmarkt – auch hier hatten die kinder viel spaß – und trödelten ein wenig durch fußgängerzonen, besichtigten ein paar kleine pagoden. insgesamt machten wir nicht mehr viel.

dann – wieder einen tag später und endlich ohne regen – fuhren wir mit dem taxi zum dianchi-see im süden kunmings. dort in der nähe gibt es viele sehenswürdigkeiten, so dass es ein interessanter tag werden sollte. doch der see selbst war eine enttäuschung: das wasser war grasgrün, wie farbe! das sah alles andere als gesund aus, trotzdem gab es viele angler, die haufenweise kleine fische fingen (und vermutlich zu hause in die pfanne hauten). wir fuhren mit der seilbahn auf die westseite des sees und von dort mit einem sessellift nach oben, auf den xishan (westberg). ira und rona bekamen bambus-stöcke, und dann ging es über viele stufen treppauf und – nach longmen, dem drachentor. hier haben im 18.jahrhundert mönche verschiedene grotten, buddha-figuren, tempel und wege in den fels geschlagen. sehr beeindruckend – und hoch über dem see in einer senkrechten felsenwand. jana wollte da gar nicht gerne runtergucken. allerdings wurde der genuss etwas durch die zahlreichen touristen getrübt, so dass es teilweise unmöglich war, vernünftig zu fotografieren: ständig hampelten irgendwelche leute ins bild!

der letzte richtige urlaubstag war zugleich der schönste in kunming: wir gingen von unserem hotel aus zum yuantong-tempel. dieser selbst ist wunderschön, mit kleinen teichen (darin neben den üblichen goldfischen massenweise schildkröten), verschiedenen haupt- und nebengebäuden in verschiedenen stilen und einem großen buddha aus thailand (soll ein geschenk des königs gewesen sein). das faszinierendste aber waren die vielen leute, meist ältere frauen, die sich dort aufhielten. nach und nach zogen sie lange schwarze überhänge an, dann begannen die gebete und gesänge der mönche, und alle machten mit. so eine massenbegeisterung in einem tempel haben wir noch nie erlebt.

später gingen wir entlang des cuihu-sees durch einen park in eine sehr gute und teure (!) pizzeria, tranken dort tsingtao-schwarzbier und aßen unsere abschiedspizzen. dann ging es ins hotel – rucksäcke schnappen – taxi zum bahnhof – auf wiedersehen yunnan! pünktlich um 21.51 uhr unser zug am 9. august nach shanghai ab.

 

die zugfahrt dauerte 46,5 stunden. wir hatten zwei untere betten in einem softsleeper-abteil gebucht, d.h. wir mussten unsere schlafkabine nur mit zwei anderen leuten teilen. das war aber kein problem – die beiden schliefen fast vollständig durch!

wir lümmelten auf unseren betten herum, sahen aus dem fenster, lasen und spielten mit den kindern – insgesamt trotz der länge eine entspannte zugfahrt. ira hat einen jungen aus dem nachbarabteil, zhou yi, kennengelernt, mit dem sie fast den ganzen ersten tag spielte. leider stieg er dann nach einem tag aus, so dass ira sehr traurig war.

 

am 11. august kamen wir pünktlich um 19.30 uhr in shanghai an.

 

war es eine schöne reise? ja, auf jeden fall. wir hätten einige tage länger in zhongdian bleiben und die einzigartige atmosphäre dort genießen sollen, aber auch die orte, von denen wir anfangs nicht so begeistert waren, hatten ihre schönen seiten, die wir nach und nach entdeckten. wir haben – wieder einmal – festgestellt, dass china ein riesiges, vielseitiges und schönes land ist, dass es DAS china nicht gibt. beispielsweise sind die menschen in yunnan sehr freundlich, offen und hilfsbereit – ganz anders als die ständig hektischen, gestressten und rücksichtslosen shanghaier. insofern war diese reise für uns wichtig.

den kindern hat das reisen, herumwandern und entdecken auch spaß gemacht, auch wenn sie im laufe der zeit immer müder wurden: an mittagsschlaf war nicht zu denken – es gab zu viel neues. entsprechend schwerer wurde es, sie zu motivieren, entsprechend ruhiger wurden unsere touren. sicher – ohne kinder hätten wir uns die eine oder andere sache mehr ansehen können, aber das ist rein hypothetisch.
8月16日

Thailand 01-02/2004

hallo, liebe leute! bevor es nun bald wieder mit individuellen e-mails losgeht, kommt zuerst für euch alle der schon obligatorische reisebericht unserer THAILAND-REISE.
 
vor dieser reise waren wir – besonders jana – schon etwas aufgeregt, denn wir sind das erste mal mit „china eastern“ geflogen und nicht wie bisher mit „thai airways“. der hauptunterschied: die chinesen fliegen mitten in der nacht, so dass die belastung – besonders für die zwerge – doch ganz schön hoch sein würde. dachten wir. aber der preisunterschied war gewaltig, so dass wir uns trotzdem zu den nachtflügen entschlossen haben. los ging es am 16. januar. wir haben ira & rona etwas zeitiger als normal am abend ins bett gelegt und ira vorher gesagt, dass wir am nächsten morgen gaaaanz früh aufstehen müssten. naja, das war leicht untertrieben – um 20.30 uhr haben wir die kleinen geweckt, sind um 9 ins taxi gesprungen und dann zum flughafen gefahren. im taxi haben die zwerge nicht geschlafen, das einchecken ging rasend schnell, und um 23 uhr sind wir dann pünktlich losgeflogen. rona schlief sofort ein, ira baute sich ein bett auf zwei leeren stühlen (das flugzeug war nur zu einem drittel gefüllt) und schlief dann so tief, dass sie nicht mal merkte, dass sie von den stühlen fiel. sie schlief einfach weiter! und stritt später natürlich ab, dass sie von den stühlen gefallen war... wir kamen dann fast pünktlich um 3.30 uhr ortszeit in bangkok an, schnappten uns ein taxi und fuhren zu unserem guesthouse, in dem wir telefonisch ein zimmer reserviert hatten. die frau am empfang hatte schon nicht mehr mit unserer ankunft gerechnet, aber das zimmer war frei und wir fielen alle in die betten und schliefen noch bis halb 8.
 
in bangkok blieben wir dann zwei tage, ließen uns treiben, fuhren mit diesen lustigen tuk-tuks (iras großer wunsch!), verbrachten einen tag im zoo (wenn jemand von euch in der nähe ist: hingehen, ist wirklich schön.), sahen den schiffen auf dem chao praya zu... entspannte, relaxte tage. am montag (19.1.) ging es dann weiter richtung süden. doch zuerst machten wir – auch schon traditionell – einen zwischenstopp in nakhon pathom bei meiner „alten“ uni. leider waren nur zwei kolleginnen da, die anderen mussten an irgendwelchen sonderaufgaben arbeiten. schade; aber trotzdem war das treffen wieder schön. wir haben gequatscht, gut mittag gegessen... am nachmittag sind wir dann richtung innenstadt geschlendert (die uni liegt etwas außerhalb), haben uns den kleinen (der engländer würde sagen: „a little bit run down“) tierpark angesehen und die kinder auf dem ebenfalls etwas „abgespielten“, aber dafür schön im schatten liegenden spielplatz klettern, rutschen und sich dreckig machen lassen.
 
dann wurde es langsam abend, und so gingen wir zum mitten in der stadt liegenden nachtmarkt. das muss man sich so vorstellen: ein riesengroßer platz rund um „prah pathom chedi“ (das höchste buddhistische bauwerk der welt, eine stupa von 127 metern höhe), auf dem unzählige kleine freßbuden nebeneinander stehen und wo man die verschiedensten leckereien für wenig geld essen kann: nudelsuppen, würzige oder süße eierkuchen, fleischspießchen, kokosnuss-pudding...
 
am abend kam dann gegen halb neun pünklich (!) der zug aus bangkok, der uns dann endgültig in den süden brachte. beide kinder waren absolut fertig, wir brachten sie in die betten (ira oben, rona unten), sie schliefen sofort ein und wir großen gönnten uns das eine oder andere singha-bier. am nächsten tag kamen wir dann so früh wie noch nie in suratthani an, was zur folge hatte, dass wir dann mehrere stunden auf das schiff warten mussten, dass uns auf koh samui, unsere nun schon traditionelle badeinsel, bringen sollte. dort angekommen, ließen wir uns gleich zu unserem stamm-„resort“ „nature bungalow“ fahren. es ist natürlich kein resort – es sind nur einfache kleine holzbungalows, die unter palmen direkt am strand stehen. ohne klimaanlage, ohne warmes wasser, ohne komfort. aber uns genügt es – es ist ruhig und freundlich da. wir waren noch nicht richtig angekommen, da kamen uns schon die besitzer mit großem hallo entgegen. sie kannten uns natürlich noch vom letzten jahr, als sich besonders rona durch ihr dauergrinsen äußerst beliebt gemacht hatte. unser bungalow vom letzten jahr stand schon für uns bereit, und so konnten wir gleich ins wasser hopsen. ira hatte sich ja darauf ein ganzes jahr lang gefreut. ausziehen-schwimmflügel aufblasen-reinspringen war für sie eins. rona war da etwas skeptischer...
 
die nächsten 17 tage waren dann etwas eintönig: aufstehen – baden – frühstücken – strand – strand – strand – etwas essen – strand – strand – strand – abendessen – kinder ins bett bringen – lesen. nee, das ist jetzt übertrieben, das hält doch kein mensch aus! rona war das ganze zu langweilig, sie fing dann an, rumzumeckern und wollte abwechslung haben und andere dinge sehen. ira wollte am liebsten jeden tag mit einem motorrad oder zumindest mit einem taxi fahren. und uns fiel auch bald die eine oder andere palme auf den kopf... also haben wir versucht, jeden tag zumindest einen kleineren ausflug zu unternehmen: strandspaziergänge, wanderungen ins nächste dorf zum eisessen, taxifahrten in die inselhauptstadt zum shoppen und gucken, motorradtouren zu tempeln und wasserfällen... die motoradtouren waren wirklich grandios: vorne ira, dann ich, hinter mir rona und zum schluss auch noch jana – und das ganze auch noch auf der „falschen“ seite, weil in thailand ja linksverkehr herrscht. keine angst – das ganze macht spaß und ist für thai-verhältnisse auch völlig normal, aber wenn farangs (ausländer) so ankutschiert kommen, da guckt der einheimische dann doch schon mal und grinst.
 
eine tolle sache waren – besonders für ira – die wasserfälle. da konnte sie über steine klettern, sich an bäumen hochhangeln, springen, im eiskalten wasser baden... sie hat sich sauwohl gefühlt; und ich durfte mit rona auf den schultern den ganzen weg hin- und wieder zurückschlurfen... aber was tut man nicht alles, damit es dem kinde gefällt! apropos gefällt: rona entdeckte eines tages, dass das große, weite wasser nicht böse ist und man darin wunderbar rumlaufen kann. also bekam sie zur sicherheit auch ein paar schwimmflügel, und dann lief sie begeistert mit den füßen im wasser am strand hin und her, ging gerne mit uns in wasser, schlug mit den händen aufs wasser & freute sich, wenn es spritzte. ira sprang derweil immer alleine ins wasser und paddelte zwischen uns herum. oder tauchte, von ganz alleine! schön war es auch, wenn die viereinhalbjährige tochter der besitzerin da war – dann waren die beiden (und manchmal auch rona) nicht zu halten: rein ins wasser, raus aus dem wasser, rein ins wasser... stundenlang!
 
trotzdem wurde es ira dann so langsam langweilig. immer öfter kam die frage, wann wir wieder nach shanghai fliegen würden: „ich will in den kindergarten. da sind meine freunde.“ am ende fing sie sogar an zu zählen, wie oft sie noch in thailand schlafen müsse, bevor sie wieder in den kindergarten gehen könne. verstehe einer die kinder... am 7. februar war es dann soweit: es ging zurück nach bangkok. am vormittag fuhr uns der mann der chefin (ein thai-boxer, der rona immer mit lauten rufen begrüßte: „oohna!!“) mit seinem auto zum bus, der fuhr uns zur fähre und auf dem festland dann zum bahnhof. gegen 17 uhr waren wir dort, der zug sollte halb 9 losfahren. also haben wir schön gegessen, sind noch etwas im ort spazieren gegangen, die kinder haben einen spielplatz entdeckt, und dann haben wir am bahnhof gewartet. und gewartet. und gewartet. der zug hatte 3 stunden verspätung! rona hat dann auf einer bank geschlafen, ira blieb munter, weil sie erst im zug schlafen wollte. gegen halb 12 kam der zug dann endlich, wir stiegen ein, die betten waren schon gemacht und wir fielen in tiiiefen schlaf. am frühen vormittag waren wir dann erstaunlicherweise fast pünktlich in bangkok und sind wieder in unser guesthouse gefahren.
 
der tag war relativ kühl, so dass wir problemlos durch die straßen dieser faszinierenden stadt schlendern konnten. dann ging es ans packen und die kinder wurden relativ früh ins bett gesteckt. 23.30 uhr haben wir sie geweckt, fuhren zum flughafen und starteten am nächsten morgen um 2 uhr richtung shanghai. wir konnten alle gut im flugzeug schlafen, so dass wir einigermaßen ausgeruht früh um sieben bei 0 grad celsius in shanghai landeten. seitdem ist das wetter hier recht frühlingshaft geworden – jeden tag sonnenschein, zwischen 10 und 18 grad am tag. ira geht mit begeisterung in den kindergarten, rona rennt wie wild durch die wohnung. die ferien gehen so gaaanz laaangsam dem ende entgegen, am 23. beginnt das sommersemester.
 
es war ein schöner urlaub, etwas anstrengender als gedacht. überrascht hat uns, dass beide kinder relativ problemlos die nachtflüge und auch die langen tage mit den bahnreisen überstanden haben. allerdings wird es wohl unser letzter aufenthalt auf koh samui gewesen sein. inzwischen kennen wir die insel ziemlich auswendig; im nächsten jahr soll es etwas abwechslung sein. vielleicht ein anderer ort in thailand? vielleicht ein anderes land? wir haben uns jedenfalls in bangkok schon mal vorsorglich einen südostasien-reiseführer gekauft.

Thailand 01-02/2003

Hallo, liebe Leute, heute folgt endlich der versprochene THAILAND-REISEBERICHT. Es hat ein wenig gedauert, aber nach unserer Rückkehr vor knapp 10 Tagen gab's eine Menge zu tun und dann wurden zu unserm Leidwesen nacheinander beide Gören krank (Fieber & Rotz)...
 
Also, am 22.1.2003 kam Jörg aus Deutschland zurück. Im Gepäck hatte er Käse, Schokolade, Geschenke für Ira (mit Plüschtieren sind beide Kinder nun bestens versorgt – bitte keine mehr schenken!!!), Käse, Käse, Wurst...Lecker! Viel Zeit zum Genießen blieb nicht, denn am nächsten Tag ging's früh zum Flughafen. Ira war total aufgeregt & hippelig. Nur schwach konnte sie sich an den Thailand-Urlaub vom vergangenen Jahr erinnern. Und diesmal kam ja Martha, ihre Freundin, mit. Oh, welch Aussichten für sie!!! Der Flug verlief unproblematisch. Wir saßen vor der Leinwand und bekamen auf Nachfrage sogar ein Babybett, was an die Wand zu hängen ging. Darin schlief Rona fast den ganzen Flug und wir konnten uns um Ira kümmern. Und der Service bei Thai Air...Klasse! Das Essen schmeckte, Ira bekam Malzeug und zum Abschied gab es für jede Frau die obligatorische lila Orchidee.
 
In Bangkok blieben wir insgesamt 3 Tage. Am 24.1. bauten wir im Bett Iras Geburtstagstafel mit Geburtstagskranz & Kerzen auf. Wir hatten von all den Geschenken nur das Wenigste mitgenommen. Die richtige Bescherung sollte es nach unserer Rückkehr in Shanghai geben. Jedenfalls frühstückten wir im guesthouse mit Geburtstagskranz und fuhren anschließend mit dem Bus nach Nakhon Pathom, wo Jörg 1998/99 für 1 Jahr gearbeitet hatte. Seine Ex-Kolleginnen freuten sich, uns mal wieder zu sehen und waren natürlich ganz scharf darauf, Rona zu umgarnen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fuhren wir dann zurück nach Bangkok und lümmelten dort noch ein wenig im Park rum. Ira sammelte Stöcke u.a., um "Essen zu kochen" und Rona strampelte munter drauf los.
 
Am Tag darauf ging’s dann endlich los gen Süden. Nachmittags trafen wir Simone, Steffen & Martha, unsere „Untermieter“ aus Shanghai, mit denen wir 18:30 den Zug bestiegen. Ira & Martha übertrafen sich gegenseitig in Aufgekratztheit. Nach dem Abendessen verschwanden die 2 kleinen Zimmerdamen in den Kojen. Sie waren fix & alle. Ira schlief oben bei Jörg, Rona bei mir und ihrer „Tanke“ unten. Mit relativ wenig Verspätung (bloß 1 h, was in Thailand echt unter „geringfügig“ läuft) kamen wir in Suratthani an, von wo aus der Bus Richtung Pier abfuhr. Rona schlief auch hier, was das Reisen recht einfach machte. Allerdings wollte sie dann auf der Fähre nun wirklich nicht mehr. Lautstark protestierte sie und wir hatten alle Hände voll zu tun, sie abzulenken. Irgendwann kamen wir dann auf Koh Samui an – knülle und doch voller Vorfreude. Und auch unsere Reservierung zweier Bungalows hatte geklappt, so dass wir nicht mehr rumsuchen mussten. Natürlich ging es erstmal ins Wasser!!! Und das war’s eigentlich auch schon. Wir taten nichts anderes als baden, essen, lesen, am Strand spazieren gehen, schlafen, Rona beschäftigen und Ira beim Spielen mit Martha zusehen. Zum Glück gab es Martha, denn Rona forderte unsere ganze Aufmerksamkeit. Ihr war es natürlich draußen zu heiß und so mußte immer einer bei ihr im Bungalow bleiben (hm)...Aber sie genoß es, nackt zu strampeln und schnippste gleich in ihrer motorischen Entwicklung vor. Sie dreht sich seitdem nicht nur vom Rücken auf den Bauch, sondern auch wieder zurück, versucht zu stehen und steht auf allen Vieren, hebt den Arsch in die Höhe, den Kopf aufs Kissen, um dann in einem großen Satz nach vorn zu schnipsen...Toll war, dass sie so gar keine Angst vorm Wasser hatte. Sie grinste & strahlte statt dessen und platschte mit ihren Händen aufs Wasser. Schön! Na ja, und Ira war gar nicht mehr aus dem Wasser zu kriegen. Schwimmflügel um und auf ging’s. Dabei strampelte sie allein im Wasser von Jörg zu mir und zurück und überhaupt. Sie hatte riesigen Spaß. Ist halt ein echter Wassermann. Um sie brauchten wir uns auch so nicht kümmern. Sie war dermaßen beschäftigt, dass das Wort „Mittagsschlaf“ schon nicht mehr zu unserem aktiven Wortschatz gehörte. Beim Spielen mit Martha kamen witzige, altkluge Dialoge zustande. Martha spricht ja nun fast gar nicht und wenn, dann nur in Satzfragmenten und Infinitiven. So übernahm Ira die verbale Führung. „Das ist ein Stuhl. Weißt Du das eigentlich, Martha?“ Beide warfen sich gegenseitig OKs an den Hals und tauschten höflich Spielzeug aus („Bitte.“ – „Dankeschön.“), denn das lernten sie schnell: Egoismus macht das schönste Spiel kaputt. Leider hat Ira nun das Martha-Baby-Deutsch angenommen. Die Zeit der wunderschönen Haupt- und Nebensätze ist Geschichte. Nun bringt sie uns mit Bocken wie „Mond – oben“ auf die Palme. Schön war, dass Rona in diesen Wochen aktiv Kontakt zu Ira aufnahm. Morgens blieben wir meist noch ein wenig liegen und Ira kuschelte bzw. spielte mit Rona. So kam es, dass Ira Rona krabbelte und diese lauthals zurücklachte. Überhaupt bekam Rona immer zuerst Küsse von ihr. Wir mußten warten. „Meine Rona“ – das hörten wir sehr oft. Gerade wenn Thais Rona auf den Arm nahmen, hatte Ira anfangs Angst, dass sie ihre Rona nicht zurückkriegte. Schwesternliebe...
 
Alles in allem war der Urlaub aber nicht ganz so wie erwünscht. Der Erholungseffekt ließ zu wünschen übrig, denn Rona forderte uns schon ganz schön. Sie stillte halt nicht nur ihren Hunger, sondern auch ihren Durst über die Brust. Und das Motorradfahren ließen wir nach dem 1. Versuch auch sein. Mit dem Auto war es bequemer. Ist halt so, wenn man mit 2 Kindern verreist. Aber nächstes Jahr sieht alles ja bekanntlich ganz anders aus! Wir gönnten es uns dennoch, wenn die Gören im Bett waren (was Gott sei dank zeitig war, denn Ira war abends fertig gespielt!), essen zu gehen und das eine oder andere Bierchen zu trinken
 
 Nun sind wir seit ca. 2 Wochen wieder daheim und haben die erste Arbeitswoche hinter uns. Wir arbeiten ab nächster Woche beide 24 h. Das ist neu. Dafür gibt’s gut Geld und Rona & Ayi verstehen sich eh‘. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Das war’s für diesmal. Lasst was von Euch hören und seid lieb gegrüßt von uns Vieren aus dem verregneten Shanghai.

Thailand 01-02/2002

liebe leute, es ist zeit für den nächsten reisebericht, den von unserer REISE NACH THAILAND.

sechs wochen frühlingsferien wollten rumgebracht werden, und da es in shanghai kalt und regnerisch war, fiel die wahl mehr oder weniger zwangsläufig auf thailand. schließlich kannten wir das land beide schon und vermuteten, dass sich dort auch mit kind recht einfach und preiswert reisen lässt. (das hat sich bestätigt.)

also flogen wir am 20. januar gemeinsam mit unseren freunden markus (deutscher daad-lektor), dandan (seine chinesische frau) und andi (deren sohn) in shanghai ab und kamen 4,5 stunden später in bangkok an. als erstes rissen wir uns die klamotten runter (nicht wirklich!!!), denn 25 grad temperaturunterschied verlangt flexibilität... dann ging es per bus ins guesthouse – und irgendwie war es ein wenig wie wieder nach hause kommen. in bangkok habe ich schliesslich etliche zeit zugebracht. den ersten richtigen urlaubstag verbrachten wir mit einer fahrt auf dem chao-praya. dieser fluss ist die hauptlebensader zentralthailands und fliesst auch direkt durch bangkok. also nahmen wir einfach den „chao praya river express“, eine art linienbus auf dem wasser, und guckten uns ein wenig die stadt an. am nachmittag waren wir dann im jim-thompson-haus. dieser mister thompson kam während des 2. weltkriegs als geheimdienstoffizier der amis nach thailand und ist irgendwie hängengeblieben. er hat sich dann für die thailändische seide interessiert und die fast völlig am boden liegende einheimische industrie wieder aufgepäppelt. ausserdem hat er sich ziemlich viele alte kulturschätze unter den nagel gerissen und in sein großes, traditionelles thaihaus inmitten bangkoks gestopft. 1967 ist er dann irgendwie verschwunden – keiner weiß genau, was passiert ist – und das gibt jetzt die gelegenheit, sein wirklich tolles haus zu bewundern. wenn man mal so wohnen könnte... einfach herrlich!

der nächste tag führte uns dann nach nakhon pathom – „meine“ alte uni besuchen. ich hatte versucht, uns vorher telefonisch anzumelden, aber irgendwie klappte es nicht mit der verbindung (später erfuhr ich dann, dass sich die nummer geändert hat.). also fuhren wir auf gut glück los und hatten wirklich glück. zwar trafen wir nur eine meiner ex-kolleginnen, aber es war gerade „tag der offenen tür“, und es gab tolle aufführungen von traditionellen tänzen und musik und leckereien und und und... war völlig überraschend, aber schön. am nachmittag ging es dann zu „prah pathom chedi“, der einzigen sehenswerten attraktion des ortes: das mit 127 metern höchste buddhistische bauwerk der erde. müsst ihr euch so vorstellen wie eine überdimensionale glocke; ganz mit gelben und grünen schindeln verkleidet wirkte diese stupa vor dem tiefblauen himmel dieses tages reichlich beeindruckend.

am 23.1. ging es dann früh raus – um 7 uhr brachen wir per bus auf nach damoen saduak. das ist ein kleiner ort zwei stunden südwestlich von bangkok und sehr bekannt für seine schwimmenden märkte. denn zentralthailand ist ein land des wassers: alle paar meter sind wasseradern zu finden – als transportwege oder zur bewässerung. deshalb spielte sich früher mehr oder weniger alles leben auf oder am wasser ab. heutzutage sind freilich viele wasser- durch asphaltstrassen ersetzt, aber es gibt noch reste des alten lebens. und die werden gnadenlos vermarktet: die märkte, die vor drei jahren wenigstens noch zum teil irgendwie authentisch wirkten, sind jetzt völlig offensichtlich reine touristen-abzock-kanäle. und trotzdem: irgendwie isses faszinierend. ausserhalb der märkte kann man noch traditionelle häuser und lebensweisen sehen, und dahin fahren die touristengruppen auch nicht. da ist man als individualreisender einfach besser dran und kann doch ein bissel mehr sehen: im wasser badende kinder, frauen, die wäsche waschen, alte männer, die sich selbst – in einen sarong gewickelt – waschen... ira und andi waren am meisten beeindruckt von den unmassen riesengrosser fische, die man füttern konnte und die sich vor lauter futterneid fast aus dem wasser und in unser boot drückten!

zurück in bangkok, haben wir uns noch wat pho (tempel mit einem grossen liegenden buddha) und wat arun (der tempel ist das wahrzeichen der stadt) angesehen, und das war dann auch mal eines der dinge, die ich noch nicht kannte. weil dieser tempel nämlich damals, als ich in thailand gearbeitet hatte, wegen rekonstruktionsarbeiten geschlossen war. jetzt „durfte“ ich ihn mir auch einmal aus der nähe angucken, und es war schon beeindruckend: die hauptstupa ist über und über mit verschiedenfarbigen porzellan-bruchstücken verziert. das erkennt man erst aus der nähe und ist dann umso mehr überrascht.

am nächsten tag gönnten wir uns etwas ruhe. zum einen , weil ira geburtstag hatte, zum anderen, weil wir am abend mit dem nachtzug in richtung süden fahren wollten – die insel rief! am morgen durfte ira ihre 2 kerzen ausblasen und ihre geschenke auspacken: 2 bücher, einen wasserball und eine kleine eisenbahn, die sie sich unbedingt gewünscht hatte. anschließend haben wir dann den ganzen vormittag lang mit ihr in einem park am fluss gespielt, und am mittag haben wir dann alle zusammen eine bootstour durch die kanäle der stadt gemacht. naja, war nicht so der riesenbrüller... nachmittags dann königspalast und schwitzen, schwitzen, schwitzen... der tag war der heisseste (geschätzte 38 grad).

am abend ging es dann per nachtzug los, ira schlief mehr oder weniger sofort ein (die letzen tage ohne mittagsschlaf hatte sie toll durchgehalten.), und am nächsten tag waren wir dann fast pünktlich in suratthani, einer stadt im süden. von da aus per bus an den golf von siam und per fähre hinüber nach koh samui, einer geradezu paradiesischen insel: kokospalmen, weiße strände, blauer himmel, türkisfarbenes wasser... was will man eigentlich mehr?! wir hatten keine unterkunft vorgebucht und ließen uns einfach auf der fähre von einem scout anquatschen, und das führte dazu, dass wir die nächsten 21 nächte in einer „new lapaz villa“ für umgerechnet 15 dm pro nacht verbrachten – inclusive kindermatratze. und das ganze ca. 30 meter vom wasser entfernt. klasse! das inselleben selbst lässt sich mit wenigen worten beschreiben: baden. lesen. mopedfahren. essen. schlafen. (reihenfolge spielt keine rolle!) im ernst: wir haben drei wochen lang wirklich einmal NICHTS gemacht. das führte dann am ende dazu, dass uns die eine oder andere palme samt kokosnüssen auf den kopf fiel, aber irgendwie war es auch schön. jana und ich haben uns schon etwas gelangweilt, aber ira war begeistert – wasser ist für sie einfach das grösste! wir haben ihr arm-schwimmringe (motiv: dinos) gekauft, und damit hat sie sich todesmutig alleine in den golf von siam gestürzt. und war nur mit viel überredung wieder aus dem wasser zu bewegen – um anschließend die eine oder andere stunde unter der kalten (!) dusche zu verbringen. über unsere tochter staunten wir immer wieder... witzig war: als markus, dandan und andi abreisten, kam andreas (daad-lektor aus peking) mit frau und 2 kindern, so dass ira immer jemanden zum spielen hatte. außerdem reiste plötzlich janas alte schulfreundin conny samt freund aus leipzig an, so dass für abwechslung immer gesorgt war. erstaunlich, wie klein die welt ist...an janas geburtstag sind wir dann abends mit conny & hartwig schön essen gegangen.

am 15.2. sind wir aus dem paradies abgereist. per nachtzug ging es zurück nach bangkok. dort nahmen wir uns sofort ein zimmer in unserem „alten“ guesthouse, und am nachmittag wolten wir uns „vinamnek mansion“, das angeblich größte teakholzhaus der welt, ansehen. aber wir hatten nicht bedacht, dass in china immer noch die ferien zum neujahrsfest (nach dem chinesischen mondkalender) waren – es wimmelte nur so von chinesischen reisegruppen, so dass an ein reinkommen nicht zu denken war. also vertrieben wir uns die zeit in den angrenzenden gebäuden, die auch teile dieses königlichen bestandes sind: fotoausstellung, uhrensammlung, geschenkesammlung usw. in z.t. herrlichen alten gebäuden. uns hat meist die architektur mehr als die inhalte der häuser interessiert. (und ira war glücklich, dass sie in diesen blankgeputzten fluren mal richtig rennen durfte, ohne dass wir immer „achtung! autos!“ riefen.)

am letzten tag fuhren wir dann ins goethe-institut bangkok – sawitree, die eine lehrerin, die wir in nakhon pathom getroffen hatten, hatte es irgendwie organisiert, dass alle meine ex-kolleginnen uns dort treffen wollten. wir sind in die „ratsstube“ (ja, das restaurant heisst wirklich so!) gegangen und haben gequatscht und herrlich gegessen. he, lacht nicht! ihr glaubt ja gar nicht, wie gut kassler oder bratwürste mit sauerkraut nach fast 6 monaten asien schmecken!! es war jedenfalls toll, die leute wieder zu treffen. den rest des tages verbrachten wir mit shoppen – es gibt in thailand einfach tolle dinge, die man in ganz shanghai vergeblich sucht.

tja, und dann sind wir am 18.2. wieder zurückgeflogen. shanghai empfing uns mit ca. 12 grad, und als wir ankamen, mussten wir fast anderthalb stunden an passkontrolle und taxistand warten... es war einfach ein toller urlaub – auch wenn er meilenweit von dem entfernt war, wie wir sonst unsere urlaube verbracht haben: reisen, rumfahren, gucken... diesmal war es bedeutend ruhiger, aber das sind wohl die zugeständnisse, die man an ein kind machen muss. oder, wie es ira sagte: „unser thailand ist schön. kann man gut baden gehen.“ dem ist nix hinzuzufügen.

Filmdreh 12/2001

Liebe Freunde, heute gibt’s den 2. Reisebericht von uns und zwar von unserer REISE IN DIE WELT DES FILMS.

Am Samstag fuhren wir drei zu arg frühmorgendlicher Stunde mit Sonka (eine andere Lektorin), Dandan (unsere Freundin und chinesische Mutter von Iras bestem Freund Andi), Andi selbst, Tapio (Sohn einer anderen Lektorin) und Elisabeth (ein weiteres chinesisches Kind) mit der Filmcrew von Shanghai TV in einen Ort unbekannten Namens außerhalb von Shanghai. Es war ein regnerischer, unfreundlicher Samstagmorgen und wir hatten tausend Ideen, den Tag anderweitig zu verbringen...

Nach einer Stunde Fahrt im Bus kamen wir in einem Park mit Häusern verschiedener Baustile an. Zuerst wussten die Chinesen nicht, wo es langgehen sollte, aber dann fanden sie das Thai-Haus. Wir dachten auch, dass das ja maßgeschneidert sei. Hm. Im Haus selber gab es nichts – außer Kaelte. Die Kinder fanden das natürlich ideal und funktionierten das Zimmer zur Rennbahn um. Wir „Erwachsenen“ hätten es den Kleinen vielleicht nachmachen sollen... Ihr fragt uns, wofür wir das machten? Na ja, wir durften in einem Märchen die Hauptrolle spielen. Endlich mal wichtig und bewundert sein, was? Nee. Dandan kennt irgendwelche Leute, die immer wieder mal Ausländer fuer diverse Werbe- oder Foto- oder Filmaufnahmen brauchen. Na, da haben wir natürlich gleich laut „Nehmt uns!“ gerufen. Erstens kommt uns das Geld gelegen für unseren „Sommerurlaub“ im Januar/Februar in Thailand und zweitens wollten wir unseren Erfahrungsbereich endlich mal auf die Welt der Künstler ausdehnen...(!?).

Das Märchen dreht sich um eine Familie – Vater (Jörg), Mutter (Jana) und vier Kinder (u.a. Ira) – und um eine reiche, kinderlose Frau (Sonka) mit ihrer Haushälterin (Dandan). Die reiche Frau möchte ein Kind der armen Familie kaufen. Die Eltern willigen schweren Herzens ein, ärgern sich später, tauschen ein Kind gegen ein anderes ein, erhalten letztendlich alle Kinder zurück und dürfen sogar das Geld behalten. Es soll im Kinderprogramm von Shanghai TV ausgestrahlt werden und ist Teil einer ganzen Märchen- bzw. Geschichten-Serie.

Also. Sonka wurde als erste angezogen und geschminkt. Wir anderen fuhren derweil in das Spanische Haus, wo wir der Reihe nach „verwandelt“ wurden. Ist vielleicht nicht das richtige Wort, da wohl außer mir (Jana) alle halbwegs wiederzuerkennen waren. Das alles dauerte ewig, da Effizienz wohl ein Fremdwort im chinesischen Wortschatz ist. Ira hat natürlich, obwohl sie nur das Baby spielen und getragen werden sollte, alle Herzen erobert. Für sie gab es eine Extra-Aufnahme, da sie dem Vater (entgegen dem Drehbuch) beim Umstellen der Blumentöpfe half. Das hat die Leute so begeistert, dass sie die Szene nochmals drehten und die Kamera voll auf Ira hielten. So wurde Szene nach Szene abgedreht und wir wärmten uns mit heißem Trinkwasser. Behandelt wurden wir wie die großen Stars. War eine Szene abgedreht, huschten alle mit Jacken und Mänteln herbei, um uns zu wärmen. Da kam man sich dann schon etwas wichtig vor...

Lustig war jedenfalls, dass außer einem groben Drehplan nichts genau festzustehen schien: Uns wurde vor jeder Szene auf Chinesisch und Englisch erklärt, was nun zu machen sei, aber wie wir es genau umzusetzen hatten, war unsere Sache. Wir erzählten einfach irgendwelche komischen Sätze, die im weitesten Sinne wohl auch mit der Geschichte zu tun hatten – und zwar jeder, wie er wollte: Dandan sprach Chinesisch oder Deutsch, Andi nur Chinesisch, wir anderen nur Deutsch, und das chinesische Mädchen nur Englisch (!). Trotzdem war das Filmteam zufrieden (oder haben sie ihren Unmut nur nicht gezeigt?). Nachdem alle Szenen vor dem Haus abgedreht waren, fuhren wir alle zusammen zu einer alten Hütte, in der noch ein paar Innenaufnahmen mit der armen Familie – also mit uns – gedreht werden sollten, aber irgendwie hatte der location scout wohl Mist gebaut – das ganze Team stellte fest, dass man diesem Loch (eine Art zusammengefallenes Schuppengebäude) wohl nicht abnehmen wuerde, dass dort Menschen leben. Hm. Also fuhren wir zurück zu dem ersten Gelände, aber da dort nur schöne Häuser stehen und keine ärmlichen Hütten, wie es uns laut Drehbuch wohl zugestanden hätte, wurde kurzerhand beschlossen, dass die Innen- dann Außenaufnahmen werden sollten. Es wurde dann alles im Freien gedreht, und da es auch schon langsam dunkel wurde, ging alles recht schnell. Letzte Klappe – großes Dankeschßn – Auszahlung der Gage – Abfahrt.

Im Januar soll der Film ausgestrahlt werden. Wir sind jetzt schon gespannt, ob aus dem Gewusel und seltsamen Hin und Her wirklich ein einigermaßen brauchbarer Film wird – Kopien des Films wurden uns auf jeden Fall versprochen. Unsere Erwartungen sind jedenfalls nicht sonderlich hoch. Interessant war es allemal, zu sehen, wie so ein Film entsteht. Komischerweise – weil wir doch den größten Teil des Tages mit Warten auf unsere Drehs verbracht haben – waren wir am Abend richtig fertig. Ira hat toll mitgemacht und durchgehalten (ohne Mittagsschlaf!), auch wenn sie sicher noch nicht begriffen hat, was sie da eigentlich gemacht hat. Aber wir werden ihr später mal das Video zeigen...

Soviel für diesmal. Wir warten jetzt gespannt auf die Ausstrahlung des Films und unseren kommenden Ruhm.

 

PS. Bis heute (August 2005) wurde der Film noch nicht ausgestrahlt. Die Filmrollen sollen verschwunden sein, hat man uns gesagt...

Yandang-Gebirge 10/2001

Hallo, liebe Leute, wir haben nun unseren ersten Ausflug ausserhalb Shanghais hinter uns. Wir berichten Euch jetzt und in Zukunft über unsere „Reiseabenteuer“ in solchen Sammelberichten. Das schliesst selbstverständlich die mehr oder weniger regelmässigen Mails an Euch wie bisher nicht aus, diese wird es weiterhin geben – aber allseits interessierende Ausflugserlebnisse erhalten alle nun gleichzeitig.

Also – los geht’s mit der REISE INS YANDANG-GEBIRGE Das APEC-Treffen, von dem Ihr vielleicht auch in den Nachrichten gehört habt, war in Shanghai willkommener Anlass, allen Unis und Schulen frei zu geben – nicht ohne diese Tage vorher vorarbeiten zu lassen. Das Deutsch-Kolleg nutzte diese zusätzliche freie Zeit dazu, gemeinsam einen „Brigade-Ausflug“ zu unternehmen. Das ist hier so üblich und für viele chinesische Kollegen die einzige Möglichkeit im Jahr, mal aus der Heimatstadt heraus zu kommen. Deshalb nehmen einige auch die Gelegenheit wahr und gleich ihr gesamte Familie mit. Auch wir wollten uns das nicht entgehen lassen, zumal die ganze Geschichte für Mitarbeiter kostenlos ist und auch für Ira nix bezahlt werden musste, da sie noch so klein ist.

Ziel der Reise waren die Yandang-Berge in der Nähe von Wenzhou. Das liegt ca. 600 km südlich von Shanghai, weshalb wir mit einem Nachtzug im Schlafwagen dahin fuhren. Los ging es am 16. Oktober um 21 Uhr, am nächsten Morgen gegen halb 7 waren wir da. Die Nacht im Schlafwagen war ganz ordentlich, obwohl Ira anfangs Probleme hatte, in der ungewohnten Umgebung einzuschlafen, aber dann klappte es doch ganz gut. Nach der Ankunft ging es gleich zu einem typisch chinesischen Frühstück mit Reissuppe, Mantou (eine Art Brötchen – ohne Füllung und Geschmack) und salzig eingelegtem Gemüse – gewöhnungsbedürftig, aber doch zu essen (Anm. Jana: Naja. Der Kuchen war nicht schlecht...). Anschliessend wurden wir in den Bus gesetzt, eine chinesische Reiseleiterin erklärte, was wir so vorzuhaben haben (ließ eine komplett durchorganisierte Tour erwarten!), und dann ging’s los.

Eine Stunde Busfahrt führte durch das trostlose Wenzhou, das zu einem großen Teil aus Schuttbergen voller Trümmer abgerissener Häuser bestand und die noch trostlosere Umgebung voller gleichförmiger, moderner Gebäude – vom alten China, das der Tourist doch eigentlich sucht, verschwindet immer mehr. Doch dann wurden es langsam immer weniger Häuser, dafür immer mehr Berge, und dann waren wir da, am Nanxi-Fluss. Der fliesst und plätschert durch ein wunderschönes Naturschutzgebiet, ist vollkommen klar und sieht wunderschön aus. Ira war natürlich kurz vor der Ankunft eingeschlafen! Welch Timing!!! Wir durften aussteigen und uns auf kleinen Bambus-Flössen, auf denen wir uns auf herrlich bequemen Bambusliegestühlen aalten, ein Stündchen lang den Fluss abwärts treiben lassen. Das war einfach herrlich: Die Sonne schien bei ca. 30 Grad, es war ruhig, frische Luft, ab und zu ein paar Frauen, die am Ufer ihre Wäsche wuschen, wir ließen uns einfach treiben, machten Fotos, ließen die Beine im kühlen Wasser baumeln, sammelten ab und an – stellenweise war der Fluss sehr flach – Steine, die Ira (irgendwann war sie dann halt als junger Wassermann vom Plätschern des Wassers wachgeworden) dann wieder ins Wasser warf....einfach nur schön!!!

Doch dann ging es leider schon weiter, zwei Stunden Busfahrt zu unserem eigentlichen Ziel, dem Yandang Gebirge nördlich von Wenzhou. Wieder zwei Stunden durch langweilige Orte mit zum Teil grotesker Architektur (kitschig-verspielte Disneyland-Wohnhäuser mit typisch europäischem Tudorstileinschlag!Brr!), dann waren wir da, in Yandangshan, dem touristischen Zentrum der Region. Unser Hotel hiess „Baile Grand Hotel“ und hatte auch schon mal bessere Zeiten gesehen, aber es war OK.

Nach Mittagessen und kurzer Rast ging es gleich wieder los – natürlich per Bus. Aber diesmal waren wir nach 10 Minuten am Ziel, einem der vielen „scenic spots“, für die jedesmal Eintritt gezahlt werden muss (für uns natürlich inklusive). Unsere Reiseleiterin schnappte sich ihr unvermeidliches Megaphon und lief los – wir alle hinterher. Die Berge haben hier alle – je nach Aussehen – besondere Namen wie „Ein alter Mann betrachtet das Meer“ oder „Ein junges Paar küsst sich“, und jedes Mal blieb die Reiseführerin stehen, zeigte auf den betreffenden Felsen, nannte den Namen, erzählte eine alte Geschichte dazu und zeigte allen, was man denn genau sieht. Dann machten alle Chinesen „Oh!“ und „Ah!“, zeigten sich gegenseitig, was man genau sieht, und die paar Deutschen (außer uns dreien waren noch vier andere dabei) guckten sich das an und dachten sich: „Schöner Felsen“, bis ein Chinese uns erklärte, was wir genau sehen müssten, und dann machten wir „Oh!“ und „Ah!“

Aber im Ernst: die Landschaft war wirklich wunderschön: Steile Felsen vulkanischen Ursprungs wachsen unvermittelt und irre hoch scheinbar aus dem Nichts, ringsum Bambuswälder, Palmen, und einzig die Megaphone der diversen Reiseleiterinnen störten ein wenig (Haben wir uns nicht schon prächtig ans chinesische Leben gewöhnt?). Auf jeden Fall war es schön, nach fast zwei Monaten Shanghai wieder einmal Natur zu sehen, die nicht künstlich angelegt wurde wie die vielen Parks. Höhepunkte des Nachmittags waren zwei Bergtempel, die wirklich in Felsspalten oder unter natürliche Überhänge gebaut wurden, und in denen auch heute noch (oder wieder?) Mönche leben.

Und dann kam der angeblich wirkliche Höhepunkt der gesamten Führung: Es wurde dunkel (Nein, das ist noch nicht der Höhepunkt!) und alle Gruppen, die bisher in den verschiedenen Ecken des Gebietes unterwegs waren, trafen sich auf einem relativ zentral gelegenen Platz. Denn in der Dunkelheit kann man angeblich noch mehr verschiedene Figuren erkennen. Die Reiseleiterinnen hatten jetzt zusätzlich noch starke Taschenlampen dabei und erklärten ihren Gruppen – natürlich per Megaphon – was jetzt so zu sehen sei. Da jede Reiseleiterin ihrer Gruppe die einzigartigen Gestalten erklärte, waren der Lärm und das Gedränge unglaublich. Inzwischen war es vollkommen dunkel, und da man umhergehen musste, wenn man die verschiedenen Felsformationen betrachten wollte, achtete jeder nur noch darauf, ja seine Gruppe nicht zu verlieren. Das Ganze war ein einziges Chaos, selbst chinesische Kollegen riefen wütend Worte wie „Sinnlos!“ und „Blödsinn – man sieht ja nichts!“ in die Luft – und Ira schlief einfach ein! Da waren wir richtig baff.

Zum Glück war die ganze Sache relativ schnell beendet, wir stiegen in den Bus und fuhren zum Hotel zurück zum Abendessen. Ira ist die ganze Zeit nicht wieder aufgewacht, wir legten sie im Hotel ins Bett und sie schlief durch bis zum nächsten Morgen. Aber all das war natürlich auch enorm anstrengend für sie: zum einen der völlig veränderte Zeitplan, zum zweiten das ständige Treppensteigen. Wir fielen nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort auch in unsere Betten. Das Bier stand am nächsten Morgen noch fast voll auf dem Nachttisch – wir sind einfach so weggeklappt.

Am nächsten Tag ging es um 8 Uhr wieder los: Mit dem Bus zum Dalongqin-Wasserfall. Dahin konnte man wieder durch wunderschöne Berge wandern. Der Wasserfall selbst beeindruckte weniger durch das Wasser (Es hatte schon längere Zeit nicht geregnet.) als durch die Höhe: Aus 190 Meter (Typisch chinesische Übertreibung auf einem Schild: „Number 1 Waterfall of the world“) stürzte sich das Wasser (in der regenreichen Zeit trifft das Verb „stürzen“ voll zu) über eine senkrechte Felswand in einen ca. 100 qm grossen Teich. Das sah schon beeindruckend aus. Mindestens ebenso beeindruckt waren wir von den zwei Bambusflössen, auf denen man gegen Entgelt auf dem See herumstaksen konnte. Und wirklich hatten sich doch Leute gefunden, die freiwillig mit allen Klamotten unter einem Wasserfall hindurchstocherten und tatsächlich überrascht aufschrien, als sie nass wurden! War äusserst lustig anzusehen.

Wir sind dann weiter gewandert zu einem anderen, kleineren Wasserfall, der aber wirklich kurz vor der Austrocknung stand. Immerhin schütteten sich die Tropfen in einen ehemaligen Vulkankegel – und wir standen auf dem Grund des Kegels wie unter einem Trichter, was sehr beeindruckend wirkte. Nach dem Mittagessen im Hotel ging es zu weiteren Sehenswürdigkeiten, die wir aber diesmal liegen ließen – Ira brauchte dringend eine Pause, so dass wir sie im Bus schlafen ließen. Dadurch mussten wir natürlich auch in der Nähe bleiben, was uns jedoch gut tat. Wir lasen in diversen „Spiegel“n und schwitzten um die Wette. Leider entging uns dadurch eine irre faszinierende, hohe Hängebrücke. Dann ging es am Nachmittag wieder zurück Richtung Wenzhou, wieder zurück durch die selben langweiligen Städte...

Nach einem Klasse-Abendessen in einem richtigen Luxus-Restaurant – Ira begeisterten vor allem die lebenden Delikatessen wie Schlangen, Frösche und Krabben, die man bei vorhandenem Appetit selbst aussuchen kann und die dann ganz frisch zubereitet werden – fuhren wir um 20 Uhr zurück nach Shanghai. Wieder mit einem Schlafwagen, und diesmal hat Ira sogar durchgeschlafen (Jana: Juchhu, denn Mama und Kind teilten sich ein Bett!). Gestern früh um 6 waren wir dann wieder zu Hause und wir gönnten uns dreien einen absolut faulen Tag.

OK, das war unser erster Ausflug. Er war nicht sehr lang, aber China hat eben wunderschöne Landschaften zu bieten, und da lohnen sich auch Kurztrips. Zumal das Yandang-Gebirge so klein ist, dass es in den meisten Reiseführern nicht einmal erwähnt wird. Uns hat es größtenteils gefallen, weil man so, als Mitglied einer chinesischen Reisegruppe, auch Einblicke in das Verhalten der Chinesen bekommt. Für Ira war es anstrengend, aber sie hat gut durchgehalten, und wir haben ihr dann gestern einen ganzen Tag nur zum Spielen und Rumtollen gegönnt.

 
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xl发表:
hoi, alle 4 Zimmer, wie geht's? weiss nicht ,weder wo jetzt ihr seid, noch ob ihr euch um dieses Space kümmert.
habe's auch zufälligerweise gefunden, erinnert mich an die Zeit in Shanghai, die vergeht und konnte nicht mehr zurück
genau wie die Zeit sich ändert, wir ändern uns auch
aber das A und O ist dass, man sein Heil versucht, dann warte auf eure neueste Seite am Leben in Dl 
lg aus Uster, der Schweiz
Euer Liuxin
5 月 14 日
Huiwen发表:
Grüß euch, Jana & Jörg, seid ihr gut in Deutschland angekommen?
kommt ihr
dieses Jahr mal zum Oktoberfest?
Liebe Grüße aus München
4 月 23 日
发表:
Hallo, Jana. Die Fotos sind sehr eindrucksvoll!
3 月 11 日
Qoomee发表:
Hallo,Herr Zimmer ^_^
 
3 月 10 日
liukai发表:
Liebe J&J, länge Zeit hier nicht gewesen. es ist schon 2008, hoffe euch, alles gut im 2008!  End März werde ich mein Studium  absolvieren! hoho...
1 月 14 日